Wildkatzen am Saut-du-Doubs

In Europa ist ausschliesslich noch die Eurasische Wald-Wildkatze heimisch, wenn auch sehr selten und fast nicht mehr feststellbar. Sie sind im Durchschnitt schwerer als Haus- und Rassekatzen, und auch nicht deren Vorfahren. Diese stammen aus Nordafrika.


Am besten gehalten und mit viel Geduld auch sichtbar, haben sich diese Katzen bei uns im Waadtländer- und Neuenburger-Jura.


Wen wundert es, dass auch ich mich vor einigen Jahren in Les Brenets eingefunden und in einem kleinen Gasthof ein Zimmer bezogen habe. So gross war damals der Drang, heimische Wildkatzen zu Gesicht zu bekommen.

Der Wirt erklärte mir, sein Grossvater habe noch eine davon geschossen und diese könne ich nebenan ausgestopft bewundern. Dann sprach er von einem kleinen Bestand hinten am Saut-du-Doubs und empfahl mir, wegen meinem Interesse sein Fahrrad zu nehmen, weil an ein Herankommen mit einem andern Fahrzeug nicht zu denken sei.

So war ich am folgenden Tag beim ersten Tageslicht auf dem beschriebenen Weg unterwegs. Als es dann auch für das Zweirad zu eng wurde, bin ich auf Turnschuhen dem befelsten, und von überhängenden Bäumen bestückten Ufer entlang geschlichen, immer wieder verhoffend und lauschend. Und wahrhaftig, ungefähr nach einer Stunde vernahm ich wirklich Laute, die sich wie ein heiseres Miauen anhörten.

Die Minuten verstrichen, meine Nerven taten vor Anstrengung fast weh, als ich auf einem über den See hängenden Ast eine kurze Bewegung wahrnahm. Und dann noch eine. Ganz behutsam, nach Indianerart, habe ich mich Zentimeter um Zentimeter in Richtung des Geschehens geschlichen. Als endlich der Gesichtswinkel günstig stand, wusste ich, dass mir ein Glückstag beschieden war. Da tummelten sich wahrhaftig zwei junge Wildkatzen in der Schwebe und spielten mit windflatternden Blättern. Vor lauter Begeisterung habe ich wohl eine ungewollte Bewegung gemacht, was die unter dem Baum sitzende Katzenmutter - die ich vorher nicht gesehen hatte - veranlasste, sofort das Weite zu suchen, komischerweise ohne den Nachwuchs zu warnen.

Ohne weiter zu beobachten, habe ich in meinem Übermut etwas gemacht, was mir heute fern liegen würde. Mit einem kurzen Sprint näherte ich mich schnell der überhängenden Buche, mit dem Ziel, den Jungtieren den Rückweg abzuschneiden. Das näher am Stamm spielende Kätzchen hat mich sofort entdeckt und konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Nicht aber das andere. Sich seiner dummen Lage bewusst, zog es sich laut fauchend immer weiter dem Ast entlang, bis es nur noch auf einem zittrigen Stück hängen blieb.

Anstatt das Junge in Ruhe zu lassen, habe ich mich wahrhaftig dazu verleiten lassen, auch auf den Ast zu klettern. Das hätte ich lieber sein lassen sollen, denn die Strafe folgte auf den Fuss. Mit einem lauten Knall brach der Ast ab und Katze und Mensch plumpsten hoch aufspritzend ins kühle Nass.

Als ich pustend und wasserspeiend wieder auftauchte, konnte ich gerade noch feststellen, wie sich die Kleine schwimmend dem Ufer näherte und gleich danach verschwand.

Zurück im Gasthof hat sich die ganze Bande vor Lachen den Bauch gehalten, und ich musste mir ach gar so manches anhören. Ich sah ja auch allzu komisch aus in meinen immer noch klatschnassen Hudeln...


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