Mieze kratzte eine Hundehalterin spitalreif

War das eine Sache in Burgdorf, wo meine Mutter mit meinem Stiefvater in einem schönen Haus an einer Ausfallstrasse gegen Oberburg wohnte. In einem Nebenhaus befanden sich Webers. Die hatten einen richtigen Wildfang von einer Katze, von der man sagte, sie fange Vögel sogar im Flug. So habe auch ich diesen getigerten Wirbelwind mit halblangen Haaren einmal zu Gesicht bekommen, und war fasziniert von dessen Vitalität. Obschon im Nachbarshaus wohnhaft, hielt sich die Katze mehr oder weniger immer wieder dort auf, wo sie eigentlich nicht hingehörte. Gut möglich, dass sie meine Mutter mehr verwöhnte als die gegenüber. Und weil man offenbar keinen passenden Namen fand, nannte man sie einfach Mieze. Aber lassen wir das, sie war einfach da, morgens, tagsüber und auch abends.

Bald einmal wurde auch ruchbar, die Gute mit den samtenen Pfoten hassen Hunde wie die Pest und lasse keine Gelegenheit aus, diesen Ihre Dominanz vorzuführen. Dabei scheute sie sich auch nicht, solchen in der Grösse eines Schäferhundes voll ins Gesicht zu springen. Gerade einem von dieser Sorte habe sie dermassen die Schnauze poliert, dass dessen Besitzer zum Tierarzt gehen musste, und anschliessend die Rechnung präsentierte.

An einem schönen Sommernachmittag wollte die Frau eines meiner Cousins, die Regula, meine Mutter besuchen, und läutete erwartungsvoll an der Haustüre, wie immer begleitet von ihrem an der Leine geführten Hündchen. Noch während der freudigen Begrüssung ahnten die beiden Damen nicht, was für ein Unheil sich von der Terrasse her anbahnte. Weil sämtliche Türen offen standen, konnte die aufmerksam gewordenen Mieze durch das ganze Haus hindurch sehen. Und was sie da sah, passte ihr ganz und gar nicht, vor allem nicht in ihrem eigenen Revier. Wie von der Tarantel gestochen sauste sie los, durch die gute Stube und den Korridor direkt dem Eingang zu.

Weil meine Mutter ihr den Rücken zukehrte, konnte sie die Anspurtende nicht sehen. Aber die Hundehalterin, dem Korridor zugewandt, sah sie kommen, hob blitzschnell ihren Fidu vom Boden auf, und machte dabei eine hastige halbe Drehung. Dabei bauschte sich ihr leichter Sommerrock wie bei einer Trachtentänzerin auf. Aber da war Mieze schon im Sprung, geriet unter das wallende Jupe und verkrallte sich wütend in den Oberschenkel der gepeinigten Regula. Das Geschehen dauerte nur Sekunden, und mit einem gezielten Faustschlag konnte die Tobende von ihrem Opfer verscheucht werden. Aber was sie in dieser kurzen Zeit angerichtet hatte, war scheusslich. Weil das Blut wie kleine Bächlein nur so floss, musste angenommen werden, die Krallen hätten eine Ader angeritzt oder gar geöffnet.

Dank dem guten Draht zur Polizei - mein Stiefvater war schliesslich der Polizeichef der Kleinstadt - konnte der Transport ins naheliegende Bezirksspital in kurzer Zeit bewerkstelligt werden. Dort sind dann auch die diversen Kratz- und Bisswunden fachmännisch verarztet und teilweise genäht worden.

Im Anschluss an dieses Ereignis kam die Frage auf - nicht nur bei den Direktbetroffenen - ob man ein solches "Biest" überhaupt noch am Leben lassen konnte. Und da waren die Meinungen mehr als geteilt. Die einen waren für eine sofortige Liquidierung, zum Wohle von Mieze aber eine Mehrheit dagegen. Die sehr tierliebende Regula selber plädierte auf Freispruch, und was die Katze selber davon hielt, ist nicht verbrieft.

Wie auch immer, mir ist im Nachhinein mitgeteilt worden, Mieze hasse Hunde nach wie vor, verschone komischerweise die Mäuse, stelle aber um so mehr den Vögeln nach, wohl aus sportlichen Gründen.


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