Wenn Katzen vor Schlangen und sonstigem giftigen Ungeziefer warnen

Es war anfangs September 1994. Mitten im Amazonas hatte der Frühling begonnen und die Flora erblühte in einer Pracht, wie man sie nur in einem subtropischen Gebiet findet.

An einem frühen Morgen habe ich mich in MANAUS auf einem Bananenboot eingeschifft, und alsbald tuckerten wir den Rio Negro hinauf, ungewissen Abenteuern entgegen. Die Zivilisation war längst hinter uns, als es hiess, in kleinere Boote umzusteigen, damit man auf den kleinen Nebenarmen und zwischen den riesigen Baumstämmen des überfluteten Regenwaldes ungehindert voran kam.

Angekommen im "Amazon Village" machte ich mich auf die Suche des mir zugeteilten Bungalows und bestaunte die bunte Vogelwelt. Zwischendurch stellte ich fest, dass in dieser einsamen Gegend auch Hauskatzen gehalten wurden. Mindestens ein halbes Dutzend hellgraue Tigerli mit schwarzen Streifen kreuzten meinen Weg.

Mein neues Zuhause fand ich bald einmal und überwältigt von den neuen Eindrücken setzte ich mich erst einmal auf die Holztreppe, die zu einer kleinen Vorlaube hinauf führte. Ein grüner Papagei mit rotem Häubchen machte plötzlich einen Riesenlärm und fing an mit den Flügeln zu flattern. So aufmerksam geworden, bemerkte ich den kleinen Störenfried auch. Einer rotgelben Eidechse nachjagend raste ein junges Tigerli den Weg in meine Richtung hinunter, um dann verblüfft festzustellen, dass das flinke Echslein unauffindbar im dichten Laub verschwunden war.

Aber nun erregte ich Büsis Aufmerksamkeit. Den Schwanz aufgestellt, kam es mir schnurrend entgegen. Ganz offensichtlich war es an fremde Menschen gewöhnt und erhoffte sich sicher noch etwas Essbares, was es von mir auch in Form eines kleinen Büchsleins Sardinen erhielt. Nach dem obligaten Maullecken fiel mir auf, wie aufmerksam die kleine Jägerin war. Offenbar war sie von ihrer Mutter schon recht gut in das Beutefangen eingeführt worden.

Unverhofft machte sie dann einen Riesenbuckel und fing an zu fauchen. Interessiert schaute ich in die gleiche Richtung und wurde dabei sicher ein wenig bleich. Unter der Laube entdeckte nämlich auch ich eine gut zweimetrige Schlange, die dort zusammengerollt lag und bereits nervös züngelte.

Einen grossen Bogen um das Reptil schlagend, machte ich mich auf zum Restaurant, um das Gesehene einem anwesenden Koch zu erzählen. Dieser kam mit, zauderte nicht lange und schlug der ungeliebten Anwohnerin geschickt und kurzerhand mit einem grossen Buschmesser den Kopf ab. Nachher erklärte mir der sprachbegabte Kochkünstler, dieses Biest sei hoch giftig und heisse auf Deutsch "Buschmeister".

Gegen Mitternacht machte ich mich mit einer Taschenlampe, die jedem Gast mangels Elektrizität ausgehändigt worden war, von der improvisierten Urwaldbar aus auf die Suche nach meinem Gelieger. Und wer sass da bei meinem Eintreffen schon vor der Tür? Richtig, mein Tigerli, dem ich vorsorglich und in berechtigter Erwartung etwas Filet mitgebracht habe. Zufrieden zündete ich eine Kerze an und verschwand zwecks Körperpflege für einige Minuten in einem Nebenraum.

Bei meiner Rückkehr sass die Katze auf meinem Bett und machte keine Anstalten, mein Logis in nächster Zeit verlassen zu wollen. Dabei stellte ich fest, dass ihr nichts, aber auch gar nichts entging, was sich hörbar, oder für mich auch nicht, in oder um die Hütte so alles tat. Und da tat sich wirklich allerhand. Offenbar aufgeschreckt durch mein Licht, machte sich etwelches Getier, zwar unsichtbar, bemerkbar. Einmal raschelte es im Schilfdach, oder dann huschten eilige Beinchen über die Balken, immer aufmerksam verfolgt durch meine Wächterin.

Schon in der ersten Nacht fiel mir ein, mich doch nach dem Verhalten der Katze zu richten. Schlief nämlich diese ruhig und zusammengerollt am Fussende, konnte man die Nacht über einem fallen lassen und friedlich weiter schlafen. Sass sie aber aufrecht da und lauschte gebannt in eine Ecke, konnte es sich lohnen, steckenbewaffnet nachzusehen.

 

In diesem Bungalow hat mir die Urwaldkatze geholfen, besseren Schlaf zu finden.

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