Köbeli als Schafhirte

Es war während des zweiten Weltkrieges und viele Bauern im schmucken Bauerndorf, wo ich aufgewachsen bin, hielten noch Schafe. Heute sind es nur noch vorwiegend Hobby-Schäfeler, die sich der Aufzucht der Wollklüngel widmen.

In der Nähe es Dorfes hob sich ein schöner Hügel dem Heimmel entgegen, der Schafberg. Der Name war nicht ganz ohne Grund, denn die Bauern hatten sich wie eine Art Schafgenossenschadft zusammen getan und liessen die Blöcker gemeinsam dort oben über Tag weiden. Dabei brauchte es natürlich Aufpasser, weil der Hügel nicht eingezäunt war. So habe auch ich mich freiwillig während den Ferien und sonstigen Freizeiten als Schafhirte gemeldet, umsomehr der Genossenschaftsleiter mein Götti war und seinen schaftüchtigen Appenzellerhund als tüchtiger Helfer dem jeweiligen Hüter mitgab. Also wurde ich eines Tages abgerufen und mit grosser Vorfreude begab ich mich ins Oberdorf, wo der erste Bauer, als er mich kommen sah, die Schafe aus dem Stall liess, die sich nach etlichem Locken um mich herum scharten, umkreist vom Hund, den man übrigens Nettu nannte. So ging es von Hof zu Hof, und am Schluss hatte ich etwa 120 gesammelt und war richtig froh, dass der Hund die aufgeregte Bande beisammen hielt. Zuerst bemerkte ich sie gar nicht, die schwarzweisse Katze, die auch meinem Götti gehörte und sich in den Kopf gesetzt hatte, es Nettu gleich zu tun. Köbeli hiess der Kater.

Stolz marschierte ich der stàndig blökende Bande voraus, die übrigens aus Merinoschafen bestand. Beim Friedhof ging's links über den Bahnübergang Richtung Weideplatz. Warum zu dieser Zeit die Barrieren immer 10 Minuten vor dem Eintreffen des Zuges schon geschlossen waren, erklärte mir der Bahnhofvorstand so: "Das ist Vorschrift, basta!". Natürlich waren die Schranken bei meinem Eintreffen fast immer unten und ich konnte die wollene Bande nur dank Nettu in den Schranken halten, denn einige probierte da irgendwie unten durchzuschlüpfen. Köbeli aber scherte sich einen Dreck darum und erwartete uns jeweils geduldig auf der anderen Seite der Geleise.

So nach einer Viertelstunde erreichten wir den Hügel und Nettu schaute von nun an zum Rechten, während ich mich meistens ins Gras legte und von Gott und der Welt träumte. Die meiste Zeit war Köbeli oben am Waldrand und wartete offenbar auf ein verirrtes Mäuschen oder einen jungen Vogel, der noch nicht recht flügge war.

Es war an einem September, die Jagd war offen und auch bei uns in der Nähe durchstreiften die Nimrode Feld und Wald. Und dann, eines Tages, das Schreckliche. Ich döste wie gewohnt gelangweilt vor mich hin, als ganz in der Nähe ein Schuss fiel, dort oben, wo sich der Kater in der Regel aufhielt.

So schnell juckte ich noch nie auf die Beine und eilte tief schnaufend dem Waldrand entgegen, irgendwie von einer bösen Ahnung verunsichert. Und schon kam er mir entgegen, der Grünrock, den ich sofort als Wildhüter, Jäger und Fischereiaufseher erkannte, der Moser Franz, von dem ich auch schon erzählt habe. Schlimme Minuten erfassten mich, als ich sah, was da an seinem Rucksack baumelte, es war nichts braunes, sondern der schwarzweisse, bluttropfende Köbeli.

Obschon ich den Moser fürchtete, betitelte ich ihn laut heulend als Sauhund und brüllte ihn an, mein Götti werde er seine Rache schon noch zu spüren bekommen. "Halt d'Schnorre, die war zu weit weg vom nächsten Haus oder Gehöft, bei mehr als 300 Meter dürfe man Katzen erschiessen." Das wusste ich damals noch nicht und habe erst später erfahren, dass es so im Jagdgesetz stand oder heute noch steht. Der Hof Spitz, der nächste vom Schafberg, war aber sicher gut einen halben Kilometer entfernt und der "Mösu" dummerweise im Recht.

Das war eine traurige Rückkehr ins Dorf, mir liefen die Tränen die ganze Zeit nur so herunter, und ich konnte kaum erwarten, die Trauerbotschaft an den Mann, dem Götti, zu bringen. Der fluchte laut los, bestieg seinen Drahtesel und spurtete los Richtung Haus Moser.

Obschon der Schütze nichts verbrochen hatte, endete es doch noch in einer Gerichtssache, denn die beiden hatten sich die Köpfe blutig geschlagen und wurden je mit 100 Franken gebüsst.


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