Co-Pilotin im Segelflieger

Die nachfolgende Geschichte ist eine der aufregensten, die mir über Katzen je zu Ohren gekommen ist. Nicht weniger spannend, weil sie schon einige Jahre zurückliegt und sogar die BOHAG (Berner Oberländer Helikopter AG) in die Lüfte zwang.

Ein guter Freund von mir ist Architekt und passionierter Segelflieger, der seine Maschine in Saanen bei Gstad stationiert hat. Wenn man ihn im Büro besucht, fällt einem sofort eine rotweisse Kätzin auf, die sich oft in dessen Arbeitsräumen aufhält. Ich glaube, er nennt sie "Röteli".

Da der Segelflugpilot auch Wettbewerbe fliegt, ist es zu einem komischen Ereignis gekommen, welches ich hiermit erzählen möchte.

Es war Spätsommer vor etwa 8 Jahren. Angesagt war bei der Segelfluggruppe eine Gletscherlandung auf dem Gauligletscher, um dann mittels Seilwinden wieder zu starten. Er hatte mit dem Auto schon Schönried durchfahren, als er plötzlich im Rückspiegel Röteli sah, die sich auf der Lehne der Rücksitze wohl gemacht hatte. Ja Himmeldonnerwetter, dachte er, was soll ich jetzt mit der machen, denn seine Abwesenheit würde mehrere Stunden dauern.. Auf dem Flugplatz angelangt, fragte er den Platzwart, ob er eventuell die Katze hüten möchte. Aber der wollte nicht und sagte nur, nimm sie doch mit!

Gesagt getan. Er setzte Röteli hinter dem Pilotensitz ein einen Hohlraum und polsterte diesen sogar mit seinem Halstuch aus. Der Katze schien das nicht viel auszumachen und sie rollte sich genüsslich zusammen. Dann ging es los, gezogen von einer "Bücker Jungmeister" erreichten die beiden Flugzeuge bald einmal die nötige Höhe und der Segler konnte sich ausklinken. Von guten Winden begünstigt, erreichten die beiden bald einmal den Gauligletscher und setzten nach einigen Kurven zu einer eleganten Landung an.

Warum er beim Aussteigen die Haube nicht mehr schloss, weiss er heute nicht mehr. Offenbar hatte er den Fluggast vergessen. Als er daran dachte, war es schon zu spät, denn er sah den Stubentiger auf dem leicht beschneiten Gletscher mit langen Sätzen davonsausen. Ein Flughelfer spurtete ihr noch hinterher, hatte aber keine Chance und das Büsi verschwand bald einmal hinter einer der vielen Unebenheiten. Da war nun guter Rat teuer und man erkannte bald einmal, dass da eine Nachsuche auf dem glitschigen Gelände wohl aussichtslos war.

Der glücklose Pilot, der seine Katze sehr ins Herz geschlossen hatte, wollte aber auf keinen Fall aufgeben und sie ihrem Schicksal überlassen. Nach kurzem Überlegen ging er zurück zum Segler, behändigte den Sprecher vom Flugfunk und verlangte direkt das Büro der BOHAG in Gsteigwiler und bat nach einem Suchflug. Dort zögerte man zuerst für einen Start, weil es ja "nur" um eine Katze ging. Der Architekt liess aber nicht locker und garantierte die Bezahlung, was dann auch zum Erfolg führte. Es verging dann wirklich nur eine knappe Viertelstunde, als man das immer lauter werdende Schnattern eines Heli hörte und bald einmal auch zu Gesicht bekam. Nach einer glatten Landung neben der wartenden Gruppe liess man den Katzeninhaber einsteigen und bald einmal hob man ab, um nur knapp über Boden den Gletscher abzusuchen, in der Hoffnung, bald einmal einen roten Fleck zu Gesicht zu bekommen. Es vergingen wohl kaum zehn Minuten, als das geübte Auge des Helipiloten die Flüchtende wirklich in einer gottlob nur etwa 2 Meter tiefen Spalte entdeckte. Das war eigentlich ein Glücksfall, denn die verzweifelte Katzendame kam da aus eigener Kraft nicht wieder hinaus. Der Co-Pilot anerbot sich sofort, sich zu der Gesuchten abzuseilen, gurtete sich an und nahm so eine Art Kartonschachtel unter den Arm. Der Heli zog noch ein wenig hoch, denn die Abluft hat die arme Kreatur fast zu Boden gedrückt. Da die Spalte zum Glück mehr al einen Meter breit war, bildete die Landung keine Schwierigkeiten und der Vierbeiner war schon bald einmal in der Schachtel verpackt, und die beiden konnten hochgezogen werden.

Wieder im Segelflugzeug verstaut, konnten der erleichterte Besitzer von Röteli mittels einer Seilwinde in die Lüfte gezogen werden und beide landeten wohlbehalten in Saanen. Über die Kosten wollte mein Freund nicht sprechen.


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