1:0 für die Ratte

Unter dem Titel "Miggeli und die Ratten" habe ich euch erzählt, wie diese mutige Katze auf dem Bauernhof mit jeder Ratte fertig wurde. Weniger Glück hatte ein junger, schwarzer Kater auf dem Längenberg, der einem mir bekannten Bauer gehörte, und offenbar wegen seiner Unerfahrenheit noch kein ausgebildeter Jäger war.

Im Wonnemonat Mai hat er vor vielen Jahren mit fünf weiteren Geschwistern das Licht dieser Welt erblickt. Und wie es halt auf den Bauernhöfen so üblich ist, wurde er allein bei seiner Mutter gelassen und seine überflüssigen Brüder und Schwestern in den Katzenhimmel geschickt. Auf dem Heuboden fühlte er sich wohl in der Obhut seiner Mutter Züsi und wuchs glücklich und gut genährt heran. Riesenspass machte es dem Kleinen jeweils, wenn Mütterchen so herzige, zappelnde Mäuschen heim brachte, um den Nachwuchs beizubringen, wie man mit solchen Nagern umgeht und schliesslich auf dem Hof als Hauptnahrung in Frage kam. Hei, war das lustig. Mit den bereits scharfen Krallen zupacken, dann die Beute wieder loslassen und hinterher rennen, um erneut zu erhaschen, so richtig nach Katzehart eben, von uns Menschen mehr oder weniger geduldet, weil die kleinen Nager in die Kategorie Schädlinge eingestuft werden.

Dann, eines Tages, rückte Züsi mit einer viel grösseren Beute an, einer Ratte, die unserem kleinen Schwärzling doch einigen Schreck einjagte. Selbst seine Mutter schien mehr Respekt zu haben als von den kleineren Ausgaben, Zumal die Gefangene das Maul hoch aufriss und die scharfen Zähne präsentierte und bereit schien, ebenfalls auf Züsi loszugehen. Diese wich aber jeweils geschickt aus und packte zum Schluss die Unterlegene am Nacken und biss hörbar die Wirbelsäule durch. Der Nachwuchs, nennen wir ihn Peterli, wagte sich lange nicht heran, der Schreck wegen dem Übermass der Getöteten, liess ihn immer noch innerlich zittern.

So verstrichen Wochen und das Katerli zu seiner vollen Grösse ausgewachsen, suchte es immer noch die Nähe seiner Mutter. Als er sie wieder einmal nicht fand, strich er durch den Hof und spähte nach Kleingetier, das er erschrecken oder gar fangen konnte. Er kam gerade am Schweinestall vorbei, als auch es erschien, das Ungetier, was Peterli sofort als Ratte erkannte und mehr zitterte als Angrifflust zeigte. Aber der Instinkt liess ihn dableiben und so umkreiste er in immer kleineren Bogen den Langschwanz, der keine Anstalten zeigte, davonzulaufen.

Zudem machte er instinktiv und gekonnt einen Riesenbuckel, um ja etwas grösser zu erscheinen. Aber das beeindruckte den borstigen Gegner mit der langen Schnauze, langen Kinnhaaren und dünnem Schwanz offenbar nicht. Ja, es ergab sich sogar, dass sich der Unhold auf die Hinterbeine stellte und richtiggehend seine Zähne knirschend zur Schau stellte. Sie musste bemerkt haben, dass da ein noch etwas unerfahrener Gegner ihr gegenüber stand.

Niemand war da, um unserem lieben Peterli weis zu machen, doch lieber abzuhauen. Der, in seinem Übermut machte sogar einige Schritt nach vorn, ungeahnt dem Unheil nähernd. Als die beiden nur noch ungefähr dreissig Zentimeter voneinander getrennt waren, machte der Langschwanz einen Sprung nach vorn und konnte sich dem armen Katerli richtiggehend in die Gurgel verbeissen. Dieser schmiss sich auf den Rücken und versuchte verzweifelt mit allen Vieren das Unding vom Leibe zu halten. Aber deren Biss liess nicht locker und als sie auch noch die Luftröhre in den Biss bekam, ging dem Geplagten langsam der Atem aus.

Immer mehr erschlaften die Muskeln, die Augen schlossen sich langsam und der Körper streckte sich zusehends, bis er nach einigen Zuckungen still da lag.

Unser lieber Peterli fand sich leider erst im Katzenhimmel wieder.


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