Ivo und die antike Vase

Es war zu einer Zeit, als ich mit meinem wunderschönen lilafarbenen Siam-Kater Ivo of Shi-miao auch mal eine Ausstellung besuchte. Immer im Bewusstsein, mit einer Trophäe der vordersten Ränge nach Hause gehen zu können. So meldete ich mich einst auch zur Teilnahme an der Internationalen Katzenausstellung in Melide TI an. Da ich die lange Reise ins Tessin nicht alleine antreten wollte, fragte ich einen guten Kollegen, ob es ihm nicht Spass machen würde, mit seinem Auto auf meine Kosten 2 schöne Tage im Süden zu verbringen. Der war hell begeistert und so starteten wir am Samstag Morgen bereits um 0400 Uhr in Bern, um ja rechtzeitig bei der Eingangskontrolle vor Ort zu sein. Ich mit Ivo hinten im Fond des Wagens, und vorne am Steuer mein Kumpel Harry Bischofberger. Die Fahrt verlief reibungslos und wir konnten in der einladenden Ausstellungshalle rechtzeitig einchecken.

Der Tag ging rasch vorbei und wir hatten wie immer den Plausch mit den anderen Ausstellern. Der immer gut aufgelegte Charly Bergundthal aus Burgdorf gab die gewohnten Witze von sich und machte sich lustig über meinen "Scheisskater", wie er diesen genüsslich nannte. Warum, verrate ich hier für einmal nicht. Das Zimmer für die Übernachtung hatte ich bei einer guten Bekannten in Melide bestellt. Diese war früher Barmaid im Hotel Bellevue in Bern und führte zu dieser Zeit das Eden im genannten Ort. Die Begrüssung war dann auch recht herzlich und wir konnten das räumige Doppelzimmer mit Bad und luxuriösem Drum und Dran beziehen. Ivo inspizierte die Bleibe sofort, schnupperte überall herum, und erst als er offenbar zufrieden war, gab er mir mit einem Blick bekannt, er sei mit meiner Wahl einverstanden. Also konnten wir Zweibeiner uns getrost zum Nachtessen ins Parterre begeben. Ivo war ja ein so guter Tscholi und würde sich seine Zeit auch allein und nach seinem Gout einrichten. Eine offenbar teure antike Vase hatte er vorgängig gar nicht beachtet, denn diese stand etwa auf Kopfhöhe in einer kleinen Nische, fast wie mit einem Altar vergleichbar.

Nach einer guten Abendmahlzeit werweissten wir zwei Tessinreisende, was wir unternehmen könnten. Harry meinte, in diesem Kaff Melide sei eh nichts los und wir sollten uns doch den Abend und die anbrechende Nacht im nahen Lugano um die Ohren schlagen. Gesagt getan, und bald einmal fanden wir uns im bunten Nachtleben bei den Luganesi wieder. Das war alles so anmächelig, dass wir uns sage und schreibe erst etwa um 0400 Uhr wieder auf die Socken zum Hotel machten.

Das erste, was ich beim Lichtmachen in der guten Stube entdeckte, war die in tausend Stücke geborstene antike Vase auf dem Parkettboden. "Ja Himmel und Toria, das hat mir gerade noch gefehlt", entfuhr es mir und schaute suchend herum nach dem Übeltäter, der ohne Zweifel vier Pfoten hatte, aber wie vom Erdboden verschwunden schien. Er, der einem sonst immer freudig begrüsste, hatte sich offenbar in eine Schämdi-Ecke zurückgezogen. Bald einmal entdeckte ich ihn unter der Liege, brachte es aber vorerst nicht fertig, ihn hervorzulocken. Ein offenbar schlechtes Gewissen hinderte ihn am Hervorkriechen, obschon er eigentlich wissen sollte, dass ich ihn nie und nimmer schlagen würde. Na also, bleib wo du bist, dachten wir und dösten bald einmal genüsslich vor uns hin.

Beim Erwachen konnte ich dann doch feststellen, dass er sich am Fussende auf meiner Bettdecke befand und mich erwartungsvoll beäugte. Da ich aber vorerst beschlossen hatte, ihn mit Verachtung zu strafen, kehrte ich mich noch einmal um und tat so, als ob es ihn gar nicht gäbe. Irgendwie hat ihn das doch etwas gewurmt und er vergalt es mir mit gleichem, verzog sich schmollend ins Badzimmer, wo ja auch seine Toilette stand. Als ich dann etwas später auch dort erschien, hatte er sich schon freiwillig in die Transportkiste begeben, und ich brauchte nur noch zu schliessen.

Beim Morgenessen überlegte ich lang und breit, wie ich das Geschehene mit der Vase der Hotelchefin beichten sollte. Als sie dann erschien, nahm ich allen Mut zusammen und stotterte ihr das Missgeschick vor. Mich dünkte, sie wurde etwas bleich, denn sie schlug die Hände vor den Kopf und meinte nur: "ausgerechnet die!". Wir einigten uns auf Fr. 1500, anzumelden bei meiner Haftpflicht.

Wieder zuhause, meldete ich den Schaden sofort bei der Helvetia, wo ich den Chef der Berner-Filiale recht gut kannte. Er meinte, ich sei recht dumm, das mit der Katze zu erzählen, die ja nicht versichert war. Ich hätte auch sagen können, ich sei es gewesen. Aus Kulanzgründen sprach er mir Fr. 1000 zu.


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