Katzenfelle gegen Rheuma

In ländlichen Gefilden ist es heute noch Gang und Gäbe, bei Rheuma Katzenfelle aufzulegen, weil etliche altgewohnten Bürger der modernen Medizin nach wie vor misstrauen. Setzen wir uns aber zurück um viele Dutzend Jahre, als die Tausenden von Pülverchen gegen alle Boböchen nicht auf dem Markt existierten. Damals waren diese Wärmespender ein äusserst beliebtes alternatives Linderungsmittel und wurden professionell gehandelt, wie nachfolgendes Beispiel widerspiegelt.

Das, was ich jetzt erzähle, habe ich als Bub damals selber mitbekommen. In der Kleinstadt, von der ich berichte, gab es zu dieser Zeit sogar einen minimalen Schlachthof mit einem Verwalter an der Spitze. Bauern, aber auch andere Bürger konnten dort ihr Schlachtgut vorbei bringen, von der Kuh bis zum Kaninchen. Dummerweise hat auch eine Gang von Halbwüchsigen gemerkt, dass auch Katzen käuflich erworben wurden, nicht wegen dem Fleisch, aber wegen dem Fell und dem lukrativen Verkauf der abgebalgten Produkte.. Der damalige Hauptabnehmer war ein sogenannter "Hudilumper", der mit allerlei Gerümpel mit einem Schubkarren von Dorf zu Dorf zog, immer mindestens ein Dutzend Katzenfelle in einer Schublade dabei. Diese verlauste Gestalt war aber der Schrecken der Kinder, sah aus wie ein Yeti mit einem Holzbein. Man munkelte, er sei in der Fremdenlegion gewesen und dort habe man ihm ein Bein weggeschossen.

Nun, das war ja nicht das eigentliche Problem. Ich habe schon vermerkt, dass es sich bei einigen geschlachteten Katzen um Diebesgut handelte, und das war auch zu dieser Zeit ein Offizialdelikt, das vom Staat geahndet werden musste. Dazu brauchte es natürlich Beweise und lange ging es nach dem Motto, wo kein Kläger, ist auch kein Richter. Aber eines Tages kam es wie es kommen musste. Einige Jugendliche, die nicht in die Gang aufgenommen wurden, rächten sich mit dem Gang zur Polizei. Sofort begannen die Mühlen zu mahlen und man konnte vernehmen, dass einige Schüler von der Schule weg zum Verhör abgeholt wurden. Sogar aus dem Gymnasium, wie man munkelte und alsbald auch in der Presse lesen konnte. War das eine Aufregung. Am Biertisch und in den Frauenvereinen hatte man endlich wieder etwas Handfestes zu kommentieren, und manchem Katzenbesitzer fiel es wie Schuppen von den Augen im Wissen, warum sein Büsi seinerzeit nicht mehr nach Hause gekommen ist.

Bald einmal wurde es klar, dass das Hauptproblem eigentlich im Schlachthof lag, denn den dortigen Metzgern war sicher längst aufgefallen, dass bei der Anlieferung immer von den gleichen Halbwüchsigen etwas nicht stimmen konnte. Aber die Profitgier wegen den zu dieser Zeit hohen Katzenfellpreisen war offenbar höher als ein schlechtes Gewissen oder Hinterfragen. Das widerliche Tun änderte sich aber eines Tages zum Katzenjammer, als gleich ein halbes Dutzend uniformierter Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl Einlass begehrten. Der Höhepunkt war die Mitnahme des Verwalters, der vom Untersuchungsrichter wegen Hehlerei angezeigt worden war. Die lautstarken und händeringenden Beteuerungen, er habe von dem Ganzen nichts gewusst, nützten ihm nichts und er musste in der Folge dem Staatsanwalt Red und Antwort geben.

Inzwischen hatte nicht nur die Lokalpresse Wind von dieser anrüchigen Geschichte bekommen, sondern im ganzen Land waren Überschriften wie "Die Katzenschlächter von X." zu lesen. All das war dem Gemeinderat mehr als peinlich und eine Sondersitzung nach der andern folgte sich, um zu beraten, wie man dem schlechten Ruf etwas Einhalt bieten konnte.

Weil der Schlachthof eine Genossenschaft war, musste natürlich auch der Genossenschaftsrat sofort einberufen werden. Dort wurde beschlossen, den Betrieb für eine Zeitlang einzustellen und den Verwalter und die halbe Belegschaft zu feuern. Der Schaden war nicht gering, der Betrieb konnte aber nach gut einem Monat wieder mit neuem Personal aufgenommen werden. Wohl ohne Katzen, was einigen Haltern möglicherweise sogar weh tat, denn sie mussten nun bei einer Entsorgung oder Einschläfen zum Tierarzt und dort bezahlen anstatt wie vorher zu kassieren.

Die Katzendiebe wurden wegen ihrem jugendlichen Alter verwarnt und mussten etwas Frondienst leisten. Der Schlachthofverwalter und die ebenfalls angeklagten Mitarbeiter wurden wegen Hehlerei zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt.


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