Mit Krähen lässt es sich nicht spassen

In der Stadt Bern gibt es verschiedene Kolonien von Saatkrähen, die geschützt sind, und zum Ärger von verschiedenen Anwohnern weder gejagt noch vertrieben werden dürfen. Es gibt Bäume, auf denen die Schwarzröcke nisten, die so nahe an den Häusern liegen, dass ihre Äste die entsprechenden Dächer berühren.

So ist es auch bei Bünzlis, die im obersten Stock einer solchen Liegenschaft wohnen. Ihr Liebling ist der Kater Dominik, der aussieht wie eine Norwegische Waldkatze, aber keine ist. Sein Paradies sind die umliegenden Hausdächer, die er durch eine Luke mühelos erreichen kann. Wenn er will, ist es ihm sogar möglich, auf einen Ast der Laubträger in der langen Allee zu klettern. Also mindestens einmal hat er das getan, und da fängt unsere tragische Geschichte an.

Das schwarze Gefieder war Dominik schon lange ein Dorn im Auge. Einerseits stachelte es seinen Jagdinstinkt an, aber andererseits waren ihm die Raben als Beute doch etwas zu gross, und zudem traten sie immer in Schwärmen auf. Aber auf die Lauer legen machte ihm doch täglich Spass, na ja, es könnte ja sein, dass sich einer dieser Krachmacher allein in seine Nähe wagt, und er es doch versuchen könnte, seiner Leidenschaft zu frönen und es wenigstens zu versuchen.

Nach einem langen und schneereichen Winter war endlich der Frühling ins Land gezogen, und die ersten warmen Sonnenstrahlen ermunterten die Vögel zur alljährlichen Balz. Ei, war das für ein Geschrei und Unruhe rund um die Kolonie. Das fing schon so um vier oder fünf Uhr morgens an, sehr zum Ärger vieler nachtschlafender Bürger. Dem Dominik machte das aber nichts aus, denn er war schliesslich ein geübter Nachtjäger und zu dieser Zeit längst unterwegs. Zwar wunderte er sich, dass die Hälfte der Schwarzröcke plötzlich nicht mehr ständig herumhüpften oder flogen, sondern ganz still und unbeweglich auf ihren Nestern sassen. Ihm hatte schliesslich niemand gesagt, dass die gefiederten Kobolde nicht Junge kriegen wie er es von seinen Artgenossen gewohnt war, sondern während 18 Tagen Eier ausbrüten.

Am Ende der Brutzeit wunderte sich Dominik, dass aus den Nestern nicht mehr das gewohnte Krächzen zu vernehmen war, sonder schon viel eher ein Gepiepse. Gwundrig, wie er nun einmal war, schlich er sich entlang einem Dachkännel etwas näher heran und gewahrte in einem nichtbewachten Nest etwas ganz Leckeres, noch klein und ohne Federn, für ihn so richtig mundgerecht. Aber kaum wahrgenommen, sauste schon wieder ein Altvogel heran, beugte sich über die blutten Nachkommen und liess etwas aus dem Schnabel gleiten, dass hastig von den Kleinen aufgenommen wurde. Verärgert zog sich der Kater zurück, ein Anschleichen wurde ihm einmal mehr vermiest. Aber vergessen konnte er die glustige Wahrnehmung nicht und es zog ihn in der Folge immer wieder in die Nähe des Astes, den er vom Dach aus erreichen konnte.

Doch eines Morgens schien ihm die Lage günstig, denn der Staffelführer der Schwarzröcke hatte das ganze Geschwader zu einem Platz abgerufen, wo es offenbar einige Leckerbissen zu erhaschen gab. Still war es geworden, und Dominik sah die Stunde des Erfolges in die Nähe gerückt. Sorgfältig, aber doch immer wieder herumblickend, schlich er sich geduckt in die Nähe eines Nestes. Als ihm das Wasser schon im Munde zusammen lief und er seinem Jagdtrieb folgend gerade eine Beute ergreifen wollte, flatterte doch tatsächlich und unverhofft ein Elternteil heran und schlug sofort Alarm, und wie. Das laute Gejohle war natürlich auch für die Artgenommen hinten in der Allmend vernehmbar, ein Zeichen für den sofortigen Rückstart. So vergingen nur Sekunden, und unser ertappte Nesträuber sah sich umzingelt von einem schwarzen und flatternden Federknäuel. Die mutigsten der Schnabel bewaffneten hackten sofort auf Dominik ein, der versuchte, sich sofort aus dem Staub zu machen und die Dachluke zu erreichen. Aber das war eher gedacht als getan, denn auch am Ende des Astes wartete ein gefiederter Feind, der beim Näherkommen sofort auf den Wehrlosen einhackte und sogar schwer am Auge verletzte. Irgendwie hat er es aber geschafft, immer wieder verfolgt und verprügelt. Der später beigezogene Tierarzt hat schwere Hackverletzungen am ganzen Körper verarzten müssen, konnte aber leider das linke Auge nicht mehr retten. Also, liebe Kater, hütet euch vor Krähen!


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