D'Chemifägerli

Der Kaminfegermeister Schwarz hiess zwar nicht Schwarz, pendelte aber so gekleidet im Oberaargau in den Dörfern von Haus zu Haus, von Hof zu Hof, um die Kamine und Ofenrohre zu fegen und vor Bränden zu schützen. Sogar ein Zylinder soll er bei seinen Gängen getragen haben, ein richtiger Glücksbringer eben, und so war er überall gern gesehen. Wenn ich jetzt noch berichte, dass er bei seinen Besuchen von seinem Wohnort in der kleinen Stadt mit dem Fahrrad mit Anhänger in die umliegenden Dörfer pedalte, kann der geneigte Leser erahnen, wie lange das beschriebene Geschehen schon her sein muss. Grössenordnung einige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg . Was den Feger aber so "berühmt" machte, war die Tatsache, dass er vor dem Lenker in einem kleinen Korb immer eine Katze mitführte, eine schwarze, meinten die einen, andere behaupteten, sie hätten eine weisse gesehen.

Der Friedli Fritz, das Dorforiginal im schmucken Bauerndorf, das mir schon die Geschichte mit dem "Füchsli" (Kolumne 27) erzählt und vorgeführt hatte, hat mir auch diese lustige Geschichte, die auch von andern bestätigt wurde, erzählt. Er sei es dann auch gewesen, der dem schauspielerischen Kaminfeger bei seinen unglaublichen Demonstrationen mit Katzen auf die Spur gekommen ist.

In Tat und Wahrheit hatte der eingebürgerte Österreicher namens Franzl Hubertus immer zwei Katzen dabei, die eine immer sichtbar im Korb, die andere aber versteckt im Anhänger. Warum, werden wir gleich erfahren. Wenn der Saubermacher in den Stuben die Ofenrohre abmontiert hatte, putzte er diese innen und aussen blitzblank hinter dem Haus und möglichst unbeobachtet. Schliesslich durfte ja niemand erfahren, was für eine zirkusreife Schau er wenig später abziehen würde.

Schnell vergewisserte sich der gute Franzl dann jeweils, immer noch keine Zuschauer in der Nähe zu haben, und holte die schwarze Katze aus dem Verliess im Anhänger. Diese war abgerichtet und liess ruhig alles über sich ergehen, was man mit ihr vorhatte. Sie wurde nämlich in ein Ende der Rohre gesteckt und hielt sich dort mucksmäuschenstill, währenddem sein weisses Gspänli wie seit der Ankunft immer noch gut sichtbar im Velokorb vor sich hindöste.

Nun konnte das Theater losgehen. Unser Witzbold machte lautstark auf sich aufmerksam und forderte die sich in der Nähe befindlichen grossen oder kleinen Hausbewohner auf, in die Nähe zu treten. Wer noch nicht wusste , was nun kommen würde, hörte ungläubig und erstaunt seinen Worten zu. Umschweifend erklärte nämlich der Schwarzmann, er sei im Laufe der Zeit etwas faul geworden und behelfe sich in neuster Zeit für die Reinigung der Ofenrohre mit einer Katze, der weissen natürlich.

Wie beschwörend hob er diese aus dem Korb und tat so, als würde er ihr etwas ins Ohr flüstern. Dann schob er sie ins andere Ende des Rohrs, wohlwissend, dass sich der gut dressierte Vierbeiner dort ruhig verhalten würde. Fast wie ein Zauberstab benutzend, klopfte er mit einem Stecklein das Rohr ab und begab sich ans obere Ende, wo schon der schwarze Stubentiger auf ein Zeichen wartete. War es dann soweit, schlich er aus dem Verliess und schüttelte sich, wie halt eben gelernt. Aufmerksame Beobachter hätten dann möglicherweise gemerkt, dass dabei kein Russ vom Fell flog, aber manche schauten gar nicht so gut hin und glaubten an eine Rohrputzete mit Fell.

Jetzt musste der Hubertus auf irgend eine Art die zum Teil klatschende Versammlung wieder weglotsen, damit er sein Werk glaubwürdig fortsetzen konnte. War nämlich der letzte Zuschauer verschwunden, holte er sich das schneeweisse Knäuel aus dem schwarzen Loch und verstaute es ungesehen im Anhänger.

Nach erhaltenem Lohn und nicht selten auch einem Znüni oder Zvieri, pedalte der Saubermacher vom Hof, vorn im Korb gut sichtbar der schwarze, angeblich verrusste Vierbeiner, der natürlich vor dem nächsten Einsatzort mit der helleren Erscheinung ausgewechselt werden musste.

Wer an diesen "Zauber" glaubte, oder wer nicht, ist nicht verbürgt. Hauptsache es war wieder etwas gelaufen im sonst verschlafenen Ort.


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