Sind Katzen intelligenter als Hunde?

Um es gleich vorweg zu nehmen, diese Wortwahl ist falsch.. Eine Intelligenz im eigentlichen Sinne wird neben Menschenaffen nur uns Menschen zugeschrieben. Bei vielen Tieren nehmen wir eine gute Gelehrigkeit, geschicktes Verhalten oder ausgeprägter Instinkt einfach als "intelligent" wahr. Aber auch bei dieser Gattung stellen wir doch grosse Unterschiede fest, vor allem bei der Lösung von Aufgaben, die erstmals bei Experimenten gestellt werden. Und da schneiden die Katzen, die Hundeliebhaber mögen mir verzeihen, weit besser ab als eben Hunde jeglicher Rassen. Das mag daran liegen, dass die Stubentiger vom Menschen unabhängiger sind und sich mehr vom Instinkt führen lassen. Die Hunde demgegenüber sind zu fest domestiziert und müssen sich von ihren Besitzern sogar sagen lassen, ob sie sich setzen oder legen sollen!

Ich war schon als Heranwachsender sehr an der Verhaltungsforschung bei Tieren interessiert, machte Experimente mit Brieftauben und anderem Geflügel. Aber von diesen soll ja heute nicht die Rede sein. Im Remisen bei meinem Götti habe ich damals einen Drahtverschlag ohne Boden gefunden, wie man ihn braucht, um etwa Kaninchen oder Meerschweinchen auf dem Rasen zu halten. Das Gerät war recht gross und sogar mit einem kleinen Türchen versehen. Noch während ich überlegte, was ich damit anstellen könnte, kam mir eine Geschichte aus dem amerikanischen "Readers Digest" in den Sinn, bei der die Rede von Tierversuchen war. Meine Experimentiersucht wurde spontan geweckt, und ich beschloss, damit irgend etwas zu unternehmen, mit Katzen und Hunden zum Beispiel. Dabei musste ich die kleine Türe nur noch mit einem Schliessmechanismus versehen, wobei mir der Drechslermeister Dysli zu Hilfe kam. Eine Spannfeder, die innen mit einem grossen roten Knopf verbunden wurde, war bald einmal montiert und sollte so funktionieren: Drückte man leicht auf den Knopf, öffnete sich das Türchen und derjenige, der hinaus begehrte, konnte austreten.

Jetzt musste ich mir nur noch die Versuchstiere beschaffen, 2 Katzen und 2 Hunde, diese wegen dem Käfig nicht zu gross. Auf dem Hof waren die Katzen vorhanden, darunter auch das "Miggeli", von dem ich schon in der Kolumne "Miggeli und die Ratten" erzählt habe, und auch der etwas zu klein geratene Appenzeller-Mischling "Bärli". Beim vorgenannten Dysli hatte ich zudem einen kleine braunen Spitzer gesehen, der mir auf Ansuchen hin auch zur Verfügung gestellt wurde. Und los konnte es gehen, mit Lockfutter, das ich beim Dorfmetzger, einem Cousin meiner Mutter, gratis beziehen konnte.

Zuerst wurde Bärli für Stunden in den Käfig gesperrt, was ihm gar nicht so recht gefallen wollte. Wütend bellend kratzte er am beschwerten Verliess herum, ohne es aber bewegen zu können. Draussen vor dem Türchen stach ihm zudem der verlockende Duft von Schlachtresten in die Nase, was ihn veranlasste, dort noch mehr zu scharren. Aber nach einiger Zeit kam der Moment, wo er Hilfe bekam. Nach relativ kurzer Zeit liess er sich belehren, dass, wenn man den roten Knopf mit der Nase antippt, sich Sesam öffnete. Nach gut zwanzig Versuchen kam der Spitzer dran, mit ungefähr dem gleichen Resultat. Man musste ihm die Funktion des Knopfes, der beim kleinsten Antippen reagierte, auch beibringen. Nach Tagen war Miggeli an der Reihe. Gwundrig und aufmerksam schaute sie sich im Käfig um, und da eigentlich nur so ein roter Knopf ausserordentlich war, schnupperte sie daran, und ...... schwupps ...... konnte sie rausschlüpfen und die Schleckereien geniessen. Die andere Katze reagierte ungefähr gleich und ein xfaches Üben führte immer zum gleichen Ergebnis.

Das war natürlich noch kein eigentlicher Intelligenztest, der sollte sich erst in der Phase 2 zeigen. Der Käfig wurde nun um 90 Grad gedreht, während die Naschereien am gleichen Ort ihren Duft verbreiteten, diesmal aber nicht mehr hinter dem Türchen. Bärli machte sich am gewohnten Ort am Gitter fast die Schnauze wund und konnte nicht begreifen, dass da kein rotes Ding mehr war und sich auch nichts öffnen liess. Sein nachfolgender Kumpel reagierte ungefähr gleich ungeschickt. Auch ihm kam es nicht in den Sinn, etwas nach links zu schauen, wo ja die rote Verführung lockte.

Jetzt kamen die beiden Katzen dran, zuerst Miggeli, und es geschah wirklich was ich vorausgeahnt hatte. Aufmerksam schaute sie zuerst in Richtung der Stelle, wo früher der rote Knopf war. Aber weil dieser sich dort nicht ausmachen liess, schaute sie in die Runde, ging schnurstracks zur richtigen Stelle und war sofort draussen, um den Käfig herum zum Leckerbissen. Das zweite Versuchsobjekt machte es ihr genau gleich nach. Fazit der Geschichte: die Katzen reagierten "intelligenter" als die Hunde, denen man die Lösung erst beibringen musste. Bei den amerikanischen Versuchen wurden auch Schweine den Hunden gegenübergestellt, mit dem gleichen Resultat, wie man lesen konnte!


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