Kitty rückt ein ins Militär

Ich war damals Fourier in der Radar Kp. IV/36. In dieser Funktion habe ich in vielen Jahren gar manches erlebt, Schönes, weniger Schönes, aber auch Kurioses. Ein Müsterchen aus dieser Sparte ist heute noch in meinem Hirn präsent und bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Das Kader war schon am Samstag des Wiederholungsdienstes im Bucheggberg, besser gesagt in Schnottwil, einquartiert und bereitete sich vor, die Mannschaft am darauffolgenden Montag in Empfang zu nehmen. An diesem Tag kam ich gerade von der Küche ins Büro zurück, als der Feldweibel, der Bauer Jakob aus dem Seeland, polternd und fluchend hereingestürmt kam, in seiner Hand einen Katzenkorb tragend, aus dem mich durch das Gitter eine verängstigte Perserkatze anschaute. "Jetz rückt dä dumm Siech, der Flügerbeobachter Soldat B. us Bärn, mit ere Chatz i !" Meine Büroordonanzen und ich hielten uns die Bäuche vor Lachen, was den Spiess noch mehr in Rage brachte. Ob all dem Lärm kam dann auch der Kadi, Hauptmann Müller, aus einem Nebenraum zu uns, und meinte nach Erkennung der Situation nur trocken: "Der Fourier solle diesen "Witzbold" kommen lassen und ein Protokoll erstellen".

Einmal vorgeführt, entpuppte sich der Katzenliebhaber als Student aus Bern, der mir anschliessend beteuerte, er habe wirklich alles unternommen, aber leiden niemanden gefunden, der während der drei Wochen WK zu seiner Kitty, wie er sie nannte, hätte schauen können. Und Geld für ein Katzenheim habe er als Studierender keines. Obwohl ich das leise Gefühl, er mache das alles nur in der Hoffnung um sogleich wieder entlassen zu werden, nicht verbannen konnte, schrieb ich genau auf, was er mir vorgab. Die "da oben" sollten ja schliesslich entscheiden, wie in dieser kuriosen Angelegenheit abschliessend gehandelt werden sollte oder musste.

Weil der Soldat die Kitty nicht ins Kantonnement nehmen konnte, offerierte ich ihm, sie vorübergehend in meinem Zimmer im nahen Gasthof unterzubringen. Schliesslich wusste ich als Katzenbesitzer, wie ich es anstellen musste. Dagegen hatte auch der Kommandant nichts einzuwenden und war sichtlich froh, in dieser Angelegenheit bis zur Abklärung nicht weiter belastet zu werden. Spasseshalber meinte ich noch zu ihm, ob ich sie nicht in den Etat aufnehmen könnte, wie ein Diensthund oder ein Pferd zum Beispiel. Als Mäusefängerin im Stroh der Truppenunterkunft. So hätte sie dann Verpflegung zu gut und bekäme zudem sogar Sold! Lächelnd gab er aber wohlweislich keine Empfehlung weiter, behändigte den fertig geschriebenen Rapport und verlangte beim Feldweibel einen Kurier, der das Schriftstück nach Bern an höhere Stelle zum Schlussentscheid bringen musste.

Der betroffene Soldat wurde inzwischen abkommandiert, um irgendwo eine Katzentoilette und Futter aufzutreiben, bevorschusst sogar aus der Kompaniekasse. Die inzwischen bei mir einquartierte und offenbar stubengewohnte Kitty fühlte sich sichtlich wohl und liess sich wohlig verwöhnen, je nach Verfügbarkeit durch ihren Chef oder mich als Gastgeber. So ging das drei Tage lang, ohne dass etwas Entscheidendes aus Bern eingetroffen wäre. Aber dann war es so weit und das aussagekräftige Papier flatterte in Kadis Büro, der anschliessend einen kleinen Rapport einberufte, an dem auch ich teilnahm. Dabei vernehmen wir, was die zuständige Stelle in Bern entschieden hatte. Das lautete ungefähr so:

"Die vom Soldaten B. aus Bern unerlaubt in dem WK mitgebrachte Katze ist unverzüglich einzuziehen und auf dessen Kosten bis zur Entlassung des Beschuldigten ins Katzenheim Oberbottigen bei Bern zu transportieren. Eine vorzeitige Suspendierung von Soldat B. wird ausgeschlossen, und der zuständige Kommandant wird angewiesen, diesen mit drei Tagen leichtem Arrest zu bestrafen".

So, da wussten wir also Bescheid. Am Abend beim Hauptverlesen auf dem Schulhausplatz war diese Katzengeschichte auch ein Thema und der Zuständige bat die Anwesenden, etwas für die temporäre Unterbringung im Katzenheim zu spenden. Dabei kam eine überraschend grosse Summe von etwa 300 Franken in die Mütze.

Ein Jahr später habe ich vom Feldweibel Köbi vernommen, das habe nach dem Dienst noch ein richtiges Theater gegeben. Der Soldat B. habe nämlich die Katze in Oberbottigen nicht abgeholt und sei dem Vernehmen nach ins Ausland verschwunden. Aber Glück im Unglück: Kitty durfte ihren Lebensabend auf Köbis Bauernhof im Seeland verbringen.


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