Wildwest im Emmental

In meinem grossen Umfeld wusste man, dass ich auf unnatürliches Tierverhalten oder besondere Leistungen im Tierreich abfuhr und schon früh darüber schrieb. So wurde mir viel Wahrscheinliches, Erfundenes, Glaubhaftes oder Unglaubhaftes, vom Hören Sagen oder Erfahrenes zugetragen. Natürlich konnte ich dem Gehörten nicht in jedem Fall nachgehen, aber wenn mich der Gwunder packte, war ich nicht mehr zu bremsen und ging auf Nachforschung.

Als mir einmal ein Bewohner weismachen wollte, im mittleren Emmental habe vor vielen Jahren eine Katze auf eine Frau geschossen, blieb mir sage und schreibe die Spucke weg. "Wie soll denn das geschehen sein?", wollte ich wissen, bekam aber keine befriedigende Antwort. Wenigstens konnte er mir die Adresse von der Person geben, die das Unglaubliche von sich gegeben hatte.

Von diesem Erdenbürger, einem Schmied in einem grösseren Dorf, erfuhr ich in der Folge die unglaublich anmutende Geschichte, die sich bei seinem Nachbarn, einem nicht mehr existierenden Schreiner zugetragen haben soll. Die könne ich nicht mehr fragen, weil die Eltern gestorben und die Jungen weggezogen seien. Er, der Schmied, könne sich aber noch gut erinnern, dass an einem Samstag der Holzverarbeiter vom Pistolenschiessen im nahen Schützenstand nach Hause gekommen sei und die offenbar noch geladene Waffe auf den Küchentisch gelegt hatte. Die anwesende, gwundrige Hauskatze wollte offenbar das Ungewohnte mit einem Satz auf den Tisch erforschen, verfing sich mit einer Pfote im Abzugbügel, und ...... Päng! ...... ging ein Schuss los. Die abgefeuerte Kugel schlug unglücklicherweise nicht in die Küchenwand ein, nein, sie landete im Oberschenkel der kochenden Schreinerin!

Der Erzähler meinte noch, Polizei und Untersuchungsrichteramt seien damals aufgekreuzt, um den Sachverhalt genau abzuklären. Da würden sicher auf dem Schloss Trachselwald Unterlagen zu finden sein, und ich solle mich doch dort näher erkundigen.

Das liess ich mir nicht zweimal sagen und schon eine Woche später traf ich beim trutzigen und schönen Wahrzeichen der Gegend ein. Dort, wo es in den verwinkelten Gängen "Kanzlei" hiess, klopfte ich an und trat unaufgefordert in das etwas mulmige, hölzerne Verliess. Ein anwesender älterer Bürolist, der sogar nach Gotthelfsitte zwei lange, schwarze Ärmelschoner trug, schaute mich über die runde Nickelbrille forschend an und erkundigte sich nach meinem Begehren. Da mir bewusst war, so mir nichts, dir nichts, nicht an Unterlagen kommen konnte, griff ich zu einer Notlüge und erklärte mit gespielter Unschuldsmiene, ich sei Reporter vom "Burgdorfer Tagblatt". Und, oh Wunder, er fragte mich nicht nach einem Ausweis! Weil ich vom Schmied wusste, wann ungefähr die unfreiwillige Schussabgabe erfolgt sein musste, konnte sich der Kanzlist auf die Suche machen. Offenbar unter dem Stichwort "Katze" hat er dann in den endlosen Regalen wirklich einen kleinen Klappordner gefunden, in dem die kuriose Geschichte dokumentiert war. Eine Kopie wollte mir der Beamter aber nicht geben und forderte mich auf, das Geschriebene nur durchzulesen. Aus dem Gedächtnis gebe ich wieder, was ungefähr ich aus dem Polizeirapport mitnehmen konnte.

"Am Samstag, den ........ ist auf dem Polizeiposten S die Meldung eingegangen, eine Frau sei in ihrer Küche angeschossen worden. Die beiden Landjäger X und Y fuhren sofort an den Tatort und fanden dort die Angeschossene blutend auf einem Küchenstuhl sitzend. Ebenfalls anwesend war neben dem Ehemann auch noch der Dorfarzt Z, der die Verwundete notdürftig verarztet hatte und mitnehmen wollte. Eine Befragung an Ort und Stelle ergab, dass möglicherweise die Hauskatze den Schuss ausgelöst hatte. Da diese Version aber doch eher unwahrscheinlich anmutete, wurde der Ehemann ins Wohnzimmer beordert und eingehend befragt. Der Verdächtigte bestritt aber vehement die Tat, und als dann seine Ehefrau auch noch bestätigte, bei der Schussabgabe sei ausser der Katze niemand in der Küche gewesen, musste man auch dieser Spur nachgehen. Der im Keller gefundene Vierbeiner wurde herangebracht, die Pistole ungeladen aber gespannt auf den Tisch gelegt, und eine Pfote zum Abzug gebracht und leicht gedrückt. Ein kurzes Klicken bewies, dass diese Version absolut möglich gewesen sein konnte."

Diese stark verkürzte Darstellung hat den Untersuchungsrichter veranlasst, kein Verfahren einzuleiten. Er hätte so oder so nicht gewusst, wo sich in der Schweiz ein Katzengefängnis befindet!


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