Wenn Katzen ihren Geburtsort fast wie Tauben finden

Tauben und Zugvögel, aber auch Meeressäugetiere richten ihre sagenhafte Orientierungsgabe in der Regel nach dem sogenannten Erdmagnetismus aus. Auf jedem Punkt unseres Planeten ist die Frequenz anders und die Strahlen umrunden vom jeweiligen Standort aus in jeder Richtung die Erde. Vergleichbar ist das in etwa mit Kurzwellen oder Richtstrahlen, an denen sich zum Beispiel die Autopiloten der Flugzeuge richten. Tiere mit der Begabung dieser Ortung suchen dann die seit ihrer Geburt (ev. längerem Aufenthalt) im Kleinhirn gespeicherten Frequenz und finden so ihre Heimat.
Es war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und ich war noch in der Ausbildung. Mein Vater ermöglichte mir eine mannigfaltige Tierhaltung, unter anderem auch Brieftauben. Mit diesen bestritt ich Wettflüge über hunderte von Kilometer und studierte dabei deren Orientierungssinn, den ich bei kürzeren Strecken sogar mit kleinen Hufeisenmagneten störte und dabei eine Theorie entwickelte, von der sogar die Presse berichtete. Aber von den gefiederten Flugkünstlern soll ja hier gar nicht die Rede sein, sondern von unseren pelzigen Lieblingen, den Katzen.

Während dieser Zeit hörte man hie und da auch Geschichten, wonach Büsis nach einer Zügelte wieder zum alten Heim zurückkehrten, zum Teil über längere Strecken. Ich würde darüber auch nicht schreiben, wenn da nicht ein Fall von Zurückfindung passiert wäre, der fast unglaublich schien.

Ein weit entfernter Verwandter von mir aus Solothurn hatte im bündnerischen Davos ein Ferienhaus, das er mit seiner Familie jeweils zur Erholung aufsuchte. Der schwarze Kater Peterli durfte auch mitgehen und wurde am neuen Standort auch frei laufen gelassen, immer ohne nennenswerte Schwierigkeiten.

So war es auch im Juni des Jahres 1948. Nach einer wunderschönen dreiwöchigen Zeit rüstete man sich zur Rückkehr nach Hause. Aber schon am Tag zuvor kam der Peterli von seinen Streifzügen nicht zurück, wie man das von streunenden Katern gewohnt ist, vorallem im Februar und Juni. Alles Rufen nützte nichts, der Gute blieb wie vom Erdboden verschwunden. Schweren Herzens brach man die Zelte ab, weil die Urlaubszeit vorüber war und die Pflicht in der schönen Barockstadt Solothurn keine Verlängerung erlaubte. Das heisst, die Frau des Hauses entschloss sich, noch einige Zeit im Feriendorf zu bleiben, um dann später mit dem Zug nachzureisen. Aber nach weiteren drei Tagen gab sie jegliche Hoffnung auf und die Übung wurde abgebrochen, nicht ohne vorher noch verschiedene Zettel mit einer Vermisstmeldung in der Umgebung zu verteilen.

So verstrich die Zeit und manche Träne floss in die Aare, weil keine Erfolgsmeldung aus dem Bündnerischen eintraf. Nach dem Sommer meldete sich schon der Herbst an, als Peterli anfangs September plötzlich von der Haustüre in Solothurn lag, zum Skelett abgemagert und völlig apathisch und kraftlos. Weil die Besitzer von meinem Interesse wussten, liessen sie mich das Unglaubliche wissen und ich reiste in der Folge bei freier Zeit an das Ort des Geschehens. Aber leider kam ich dort zu spät an, denn Peterli hat inzwischen das Zeitliche gesegnet, weil man in diesem Fall den Fehler aller Fehler gemacht hat, nämlich den Geschundenen mit viel zu viel Futter und Milch hochpäppeln wollte, was die Verdauungsorgane nicht mitmachten. Möglicherweise ist auch kein Tierarzt beigezogen worden, das weiss ich nicht mehr.

Diese verbürgte Geschichte liess mich zu jener Zeit fast nicht mehr schlafen und ich zeichnete in Gedanken die unendlich lange Strecke nach und kam auf runde 300 Kilometer, wenn man die Umwege wegen Gebirgen und Flüssen einrechnete. Tauben hätten es einfacher gehabt.

Heute wäre eine solche Parforce-Leistung vor allem wegen der Verkehrsdichte und Autobahnen nicht mehr möglich...

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