Wegen "Fleckli" fuhren sogar Panzer auf

Der Grafli-Fritz hiess zwar Graf, obschon er keiner war. Weil es aber im Dorf viele Grafs gab, erhielt jeder einen Übernamen. Unser Grafli war ein Kleinbauer und hauste ganz allein in einem winzigen Bauernhof leicht oberhalb im hügeligen Gelände. Neben lediglich zwei Kühen nannte er eine Handvoll Schafe und Ziegen sein eigen. Dabei war auch ein überaus stinkender Geissbock, der allzu viele Besucher abhielt, ganz gewollt vom Fritz, wie man munkelte. Leider stank aber der Grafli ebenso und die Dorflädeler mussten jeweils lange lüften, wenn er sich wieder entfernte.

Ein halbes Dutzend Katzen tummelten sich auch rund ums Heimetli. Leute, die den Grafli kannten, sprachen oft davon, wie abgöttisch er eine davon liebte. Eine kohlrabenschwarze Kätzin mit einem kleinen weissen Fleck auf der Brust. Deshalb auch der Name.

Es war im Zweiten Weltkrieg. Das Grossdeutsche Reich hatte gerade Polen überfallen und die dortige Armee zur Flucht gezwungen. Einige Bataillone kamen in der Folge auch in die Schweiz und wurden in viele Dörfer aufgeteilt und interniert. So auch in Graflis Umgebung, wo eine Kompanie kakifarbene und geflüchtete Soldaten in der Turnhalle einquartiert wurden. Begleitet und verpflegt durch die Schweizer-Armee, die jeweils einige ihrer Wehrmänner den Polen zuordnete. Die fremden Soldaten konnte aber auch noch selber in der nahen Schulküche ihre eigenen Speisen zubereiten. Nicht gerade zum Vorteil einiger Hühner, die umliegende Bauern bald einmal vermissten.

Die Lage spitzte sich zu, als der Grafli-Fritz sein "Fleckli" vermisste und alles unternahm, es zu finden. Suchend unterwegs im Dorf vernahm er von einem kleinen Bub, der gesehen haben wollte, wie ein hier Internierter mit einer schwarzen Katze unter dem Kittel der Turnhalle zustrebte. Schnurstracks begab sich der Bestohlene zum Landjäger Liechti, klagte ihm sein Leid und die Beobachtung des Jungen. Zusammen begaben sie sich in die Schulküche und erstarrten beim Anblick der abgebalgten Katze, die an einem Fleischhaken hing, das Fell aufgespannt auf einem Waschbrett.

Der Kleinbauer wurde feuerrot im Gesicht, heulte los wie Indianer, ergriff ein herumliegendes Messer und eilte schnurstracks in Richtung Turnhalle, konnte aber vom Landjäger kurz vor der Türe gestoppt werden. Der Amoklauf war damit aber noch lange nicht zu Ende. Wie von der Tarantel gestochen stürzte er auf die Strasse und lockte bald einmal durch sein Gebrüll Anwohner an. "Diese Sau-Pollaken haben meine Katze gemetzget", schrie es aus ihm heraus, und als immer mehr Einwohner an den Ort des Geschehens eilten, hatten die lediglich vier bewachenden Schweizer-Soldaten Angst, die Situation könnte eskalieren, obschon das Verhältnis der Bürger mit den ausländischen Soldaten eigentlich gar nicht so schlecht war. Sicher ist sicher, dachten sie und telefonierten in die nahe Bezirkshauptstadt und verlangten nach Verstärkung. Es verging kaum eine halbe Stunde bis ein grosser Lastwagen mit etwa zwanzig Füsilieren mit aufgepflanztem Bajonett eintraf, und, oh staune, hintendrein ein Panzer mit Maschinengewehr und Kanone! Man wollte wohl auf Sicher gehen, denn eine blutige Schlägerei hätte dem Ansehen der Schweiz wohl nicht gerade gut getan.

Wild fluchend machte sich Grafli-Fritz von dannen und eilte, gefolgt von vielen Mitfühlenden, ins nahe Restaurant Brauerei. Dort ertrank er dann seinen Kummer mit einigen Mass Bier und haderte weiterhin mit seinem Schicksal, fühlte sich durch das Eingreifen der Miliz betrogen, denn allzu gern hätte er den Katzenfrevlern auch das Fell über den Hals gezogen, wie er wetterte.

Die Geschichte fand doch noch ihren Niederschlag im örtlichen Tagblatt und wurde sogar vom Berner "Bund" übernommen, was vielen Lesern eher ein Schmunzeln entlockte, obwohl ein geliebtes Büsi sein Leben hergeben musste. Über strafrechtliche Folgen stand dabei nichts zu lesen.


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