Die musikalische Susi

Der Dorfbäcker Guschti Mehl im malerischen Oberaargauer-Dorf hiess zwar nicht Mehl, war aber mein Götti, und so hatte ich genügend Einblick in seine Lebensweise, um darüber berichten zu können. Der Genannte war sehr tierliebend und umgab sich gut sichtbar auch mit einem beachtlichen Staat dieser Spezies. Da war einmal der Apenzeller-Sennenhund "Arno von der Zelg", über den alle Besucher ver-nehmen mussten, das sei dann ein Reinrassiger. Warum er ihn aber lediglich "Nettu" nannte, ist mir noch heute ein Rätsel. Dann gab es noch eine stattliche Anzahl von Mutterschafen mit ihren Lämmern, viele Kaninchen, die er "Tablar-Kühe" benamste, und auf dem Dach noch einige Brieftauben. Selbstverständlich durften auch die Katzen nicht fehlen, so an ein halbes Dutzend dürfte es gut und gerne gewesen sein. Aber ich will heute nur von einer berichten, der vierfarbigen Susi, äusserst musikalisch, wie wir gleich vernehmen werden.

Der älteste Sohn von Guschti, der Fritz, war zu dieser Zeit auswärts in der Bäckerlehre, kam aber am Abend täglich zurück zu den Seinen. Seine Leidenschaft war die Teilnahme bei der Dorfmusik, wo er die Posaune blies. Um Erfolg zu haben, musste er natürlich viel üben, und weil das manchmal bei neuen Stücken wie Katzenmusik tönte und die Mitbewohner entsprechend nervte, wurde er in ein etwas entferntes Hinterstübli verbannt, wo er seiner Leidenschaft ungestört frönen konnte. Wer aber die abgedämpften Töne auch aus der Ferne wahrnahm, war unsere Musikliebhaberin Susi. Schon beim anfänglichen Spielen der Tonleiter kam sie angesaust, setzte sich vor die Kammertüre und lauschte verzückt den für sie himmlischen Klängen. Solange der Fritz drinnen an seinen Tönen schliff, sass sie geduldig davor und war durch nichts wegzulocken. Man sagte, da hätte ihr ein Mäuschen in den Schwanz beissen können, sie hätte sich nicht darum geschert.

Fritz merkte natürlich bald einmal, was für ein Fan er da hatte, und wollte natürlich auch ausprobieren, wie ernst es der pelzigen Dame in Sachen Musik auch wirklich war. So marschierte er eines Tages posaunend vom Hause weg einer nahen Hofstatt zu. Und die Susi natürlich mit hochgestelltem Schwanz hinterher, mit Mühe Schritt haltend, weil sie wegen den kurzen Beinchen den Takt nicht halten konnte.

Ich selber wohnte damals in der nahen Kleinstadt, war aber viel im Dorf, vor allem wenn es dort etwas zu festen gab. Berühmt war das alle drei Jahre stattfindende Kinderfest, wo sich alt und jung fröhlich wiederfand. Natürlich gab es jeweils auch einen grossen Festumzug, der sich durchs ganze Kaff zur Festwiese schlängelte.

So war es auch einmal an einem solchen Fest. Ich stand mit Freunden auf der Terrasse vor dem stattlichen Gasthof und wartete der Dinge, die da kommen mussten, den Umzug natürlich. Schon hörte man die noch entfernten Klänge der Dorfmusik, die in gewohnter Manier vorausmarschierte und den Bundesrat-Rudolf-Minger-Marsch intonierte. Beim Näherkommen bemerkte ich, wie die Leute auf der Höhe der Musik johlten und frenetisch klatschten, und ich wunderte mich, war das eigentlich so weltbewegendes sein sollte. Aber dann sah ich es auch. Neben Fritz, der in der vordersten Reihe rechts seiner Posaune die Töne entlockte, spazierte tatsächlich mit forschen Schrittchen, man höre und staune, die Susi!

War das ein Gaudi auch für mich. Vor lauter Begeisterung verschüttete ich das Bier und schrie wie auf dem Sportplatz "Suusi, Suusi, Suusi", und bald einmal brüllte da ein ganzer Chor mit. Später konnte ich die Gesellschaft aufklären, weil ich ja über den Vierbeiner bestens im Bild war. Viele wollten es fast nicht glauben, obschon sie es ja eben bildlich vor Augen geführt bekamen.

Nach einiger Zeit begab ich mich auch noch mit einigen Kollegen zum geschmückten Festplatz, wo mannigfaltige Darbietungen bestaunt wurden. Der Turnverein räumte gerade die Bühne und machte der Musik platz, die sich anschickte, auf bereitgestellten Stühlen den Anwesenden vorzuführen, was sie in mühseliger Arbeit so alles gelernt hatten.

Und vorne auf der Bühne stand neben Fritz auch die Susi, die kaum erwarten konnte, bis der Dirigent seinen Taktstock hob.


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