S'Füchsli

Ich habe für einmal wieder in meinem Langzeitgedächtnis herumgeblättert und dort nach guten Katzengeschichten gesucht, und bin tatsächlich fündig geworden. Dabei sah ich ganz deutlich vor mir ein so genanntes Dorforiginal in einem hügeligen Bauerndorf, unweit von Burgdorf. Fritz Friedli hiess er und wohnte mit seiner Frau in einem geräumigen Bauernhof, ohne aber selbst zu bauern. Man munkelte, er sei wohl zu faul dafür und lebe von einer grossen Erbschaft seiner Gattin. Zwar hielt er sich eine grosse Anzahl von Tieren, deren Nutzen aber gut und gerne in Frage gestellt werden konnte. Da flatterten zum Beispiel in einer riesengrossen Voliere mindest hundert Wellensittiche um die Wette, und im nahen Teich schwammen grosse rote Karpfen. Rund ums Haus schnatterten eine Handvoll Graugänse und drohten jeden anzugreifen, der sich näherte. Fritz nannte sie dann auch "seine besten Wachhunde!" Ja, und eine paar weisse Schafe zählten auch noch dazu, die einzigen, die man einigermassen als Nutztiere bezeichnen konnte. In einer riesengrossen Hofstatt und anschliessendem Freigelände frönten sie einem richtigen Herrenleben, geschlachtet wurden sie nämlich nicht. Und um dem Ganzen noch eine richtige "Friedli-Note" zu geben, war die Schafweide über mehrere hundert Meter mit einem mannshohen Drahtzaun umgeben.

So begab es sich einmal, dass ich von einem welschen Internat ins Dorf zurückkehrte und natürlich bald einmal auch unseren Nachbarn Friedli besuchte. Strahlend kam er mir entgegen und rief schon von weitem: "Bon jour, bon jour mon ami". Um ihm das spärliche Schulfranzösisch zu ersparen ermunterte ich ihn, ruhig Deutsch zu sprechen, denn das hätte ich inzwischen nicht verlernt. Froh gelaunt setzten wir uns an einen Tisch auf der geräumigen Terrasse und nippten an den Gläsern, gefüllt mit suurem Most. Nach kurzer Zeit gesellte sich die mir bekannte schwarze Kätzin dazu, deren Name ich nicht mehr weiss. Sofort fing der Lebenskünstler an, mir eine Geschichte zu erzählen, über die man sich heute noch an Kopf greifen kann. Der Erzähler behauptete nämlich, dieser Vierbeiner sei bei der letzten Ranz von einem Fuchs gedeckt worden! "He?", entfuhr es mir und mein ungläubiges Staunen ermunterte ihn, weiter zu berichten. "Warte nur, ich zeige dir dann schon, was daraus geworden ist". Ich kannte den nahen Fuchsbau oben im Wald zwar auch, lachte mich aber weiterhin krumm und probierte, ihm die genetische Unmöglichkeit einzutrichtern. Dabei wusste ich nicht so recht, ob der Erzähler nun wirklich an die Geschichte glaubte oder nicht. Ausgerechnet er, bei dem man in Sachen Tiere eigentlich nur lernen konnte.

Um meine berechtigten Zweifel aus dem Weg zu räumen, lud er mich ein, uns auf die Suche von "Füchsli" zu machen. Oben am Fusse des "Lüthy-Hogers" sahen wir bald einmal den roten Fleck im satten Grün, und ich dachte sofort, das müsste es eigentlich sein. Auf Fritzens Locken machte sich die Katze tatsächlich auf und trottete uns entgegen. Auf Distanz konnte man wirklich meinen, ein schürender Fuchs sei da unterwegs. Aber schon beim Näherkommen belehrte ein runder Kopf den Betrachter, es sei doch eher ein Büsi. Aber der Schwanz, der Schwanz! Der glich wirklich einer Rute von Reinecke, buschig und hinten abgerundet und weiss. Das stach bei dem sonst kurzhaarigen Tier schon hervor.

Unschwer gelang es mir, das Objekt des Zweifelns aufzunehmen und genauer zu untersuchen. Das Schnurren (ein Fuchs macht das nicht!), der runde Kopf, die einziehbaren Krallen und der ganze Körperbau liess für mich keine Zweifel offen, das war eine reinrassige Katze und kein Mischling! Meine entsprechende Erklärung wollte aber der Friedli Fritz nicht gelten lassen und meinte nur, das würde ich im Gegensatz zu ihm nicht verstehen, das sei eindeutig eine Fuchs-Katze. Punkt.

Nun, wer den Schalk wirklich kannte, musste annehmen, dass dieser selber nicht an die Geschichte glaubte. Aber als Dorforiginal hatte er die Story schon längst in der ganzen Gegend verbreitet und ergötzte sich sicher an denjenigen, die ihm Glauben schenkten.


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