Die gepeinigte Katze

Vor Jahrhunderten wurden Katzen mit Hexen in Zusammenhang gebracht und dementsprechend verfolgt. Zartbesaitete Leserinnen und Leser tun vielleicht gut daran, diese Zeilen nicht zu lesen.

Mit dem 13. Jahrhundert begannen die Hexenprozesse , und viele Katzen wurden gleichzeitig als deren Verbündete mitverurteilt. Von nun an wurden sie etwa 400 Jahre lang verfolgt, und man betrachtete sie stets mit Misstrauen. Selbst das harmloseste und völlig normale Verhalten wurde fehlinterpretiert. So wurde eine Katze zum Beispiel sofort getötet, wenn sie dabei ertappt wurde, wie sie mit der Pfote eine Tür öffnete, da man glaubte, sie habe teuflische Kräfte.
Oft waren schwarze Katzen die Opfer von schrecklichen Zeremonien. Nach alten heidnischen Überlieferungen wurden diese dem Teufel geweiht, ehe man sie auf einen Spiess steckte und über offenem Feuer langsam zu Tode röstete. Das gequälte Tier wehrte sich und schrie erbärmlich, ehe es der Tod erlöste, und sofort wurde es durch ein nächstes Opfer ersetzt, so dass im Ablauf der Riten keine Unterbrechung entstehen konnte. Solche Peinigungen dauerten mindestens vier Tage und vier Nächte, nach denen sich der die Riten Praktizierende dann für eine Anerkennung durch die Geister würdig fühlte und meistens die Gabe des zweiten Gesichtes erbat. Die letzte nachgewiesene solche Zeremonie fand in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts auf der schottischen Insel Mull statt, wo man die Stelle gekennzeichnet hat.
Auf Wegkreuzungen wurden ähnliche Rituale zelebriert. Man entzündete ein loderndes Feuer, auf dem ein grosser Topf mit Wasser zum Sieden gebracht wurde. Eine Hexe nahm dann einen grossen schwarzen Kater und warf ihn lebend in das brodelnde Wasser. Man glaubte, dass dann der Teufel erscheinen und die Katze verlangen würde, um sie von den Qualen zu erlösen und als Dank dafür die Gabe des zweiten Gesichtes gewähren würde.
Während bei diesen Riten Katzen dem Teufel gewidmet wurden, opferte man in anderen Zeremonien Gott die angeblich verdorbene Kreatur. In Aix in Frankreich suchte man an Fronleichnam das Land nach dem besten Kater ab. Dieser wurde dann fest in feines Leinen gewickelt, und jedermann konnte kommen und vor ihm niederknien. Am Abend setzte man dann das verängstigte Tier in einen geflochtenen Korb und warf es lebend in ein Freudenfeuer, das auf dem Marktplatz brannte.
Bei der Krönung von Elisabeth I schuf man in England ein Abbild des Papstes, das, mit lebenden Katzen vollgestopft, in einem grossen Feuer verbrannt wurde. Als die Schreie der sterbenden Katzen von den Häuserwänden widerhallten, sagte man den Umstehenden, dies seien die Schreie des Teufels, der sich im Körper des Heiligen Vaters aufhalte. Papisten quälten Katzen, indem sie ihnen die Köpfe wie Bettelmönche schoren, ihnen die Pfoten zusammenbanden, sie in Messgewänder kleideten und dann an den Galgen von Cheapside von London aufhingen. In Frankreich verbrannte man am Johannistag Katzen, die man lebend in haushohe Freudenfeuer warf.
Selbst noch am Ende des 18. Jahrhunderts gab es solche Bräuche, die in Moncrif''s "Lettre sur les chats" beschrieben werden: "Jährlich wird in Metz ein Fest gefeiert, das der Menschheit zur Schande gerät. Die Stadtväter ziehen in feierlichen Prozession auf den Marktplatz, wo mehrere Katzen in einem Käfig aufgestellt sind. Dieses Verliess wird über einem Stapel Holz aufgehängt, der dann mit grossem Pomp entzündet wird. Wenn die Umstehenden die durchdringenden Schreie der Katzen hören, glauben sie, dass die Sterbenden eine alte Hexe quälen, die - wie überliefert ist - sich in eine Katze verwandelt hatte, als man sie gerade verbrennen wollte."
Noch im 19. Jahrhundert wurde die bedauernswerte Katze gequält und getötet. Gott und dem Teufel gleichermassen geopfert, von Hexen wie auch von Priestern lebend verbrannt, scheint die Natur die Katze für endlose Verfolgungen geschaffen zu haben.
Erst nachher wendete sich endlich das Schicksal zum Guten, und mit jedem Jahr nahm die Katze als Haustier an Beliebtheit zu.


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