Toni ist im Katzenhimmel

Mögt ihr euch noch an meine Kolumne "Toni, der Klettermaxe (11)" erinnern?" Ja der Kater, der auf der Wettertanne sass und nicht mehr runter konnte. Und nun bekam er es mit dem tödlichen Schicksal zu tun, welches ich ebenfalls in einer Kolumne beschrieben habe: "Der Katzen Los mit Jägern (18)".

Toni wohnte bekanntlich auf einem Einzelhof im tiefen Emmental, rundum nur Feld und Wald. Stets von Tatendrang beseelt, erlaubte er sich Erkundungstripps bis zu 1 Kilometer vom Hof entfernt. Na ja, das war ja schliesslich sein Reich. Meinte er! Aber in dieser wildreichen Gegend hatten zu seinem Leidwesen auch Jagdaufseher und Jäger das Sagen. In deren kleinkarierten Denkweise haben Katzen weitab vom Zuhause nichts zu suchen. Selbst dann nicht, wenn sie sich auf "eigenem" Boden befinden.

Aus diesem grünberockten Kreis tat sich ein dem Katzenbesitzer bekannter freiwilliger Jagdaufseher besonders hervor. Der hat Toni sicher persönlich gekannt, hat er doch einmal auf dem Hof vorgesprochen und dem Bauer gedroht, er würde dem "Hasenwilderer" einmal an den Kragen gehen, sollte der sich nicht bessern. Dabei gerieten die beiden verbal hart aneinander, was der Einstellung des Flintenträgers dem Toni gegenüber sicherlich auch nicht gerade förderlich war.

Toni hat die Herumbrüllerei zwar mitbekommen, was ihn aber nicht gross kümmerte. Hätte er geahnt oder gewusst, um was es wirklich ging, wäre er möglicherweise in der nächsten Zeit etwas näher beim Gehöft geblieben. Aber eben, der Katzenverstand erlaubte es ihm nicht, die Tragweite zu erkennen.

Der folgende Schicksalstag war etwas trübe und leicht feucht, als sich der Streuner wieder einmal auf die Pfoten machte, um den fernen Waldrand zu erreichen. Zwischen den Beinen von weidenden Kühen und Rindern hindurch schlenderte er von dannen. Er war so zielstrebig, dass er nicht einmal auf etwelche Mauselöcher achtete. Lediglich das leicht entfernte und ihm bekannte Surren eines Traktors, geführt vom Bauernsohn, liess ihn kurz in diese Richtung schauen. Dann trottete er fröhlich weiter einem Kartoffelfeld entgegen, um alsbald in den dortigen Fuhren zu verschwinden. Nur zwei oder drei Minuten später tauchte er auf der gegenüberliegenden Wiese wieder auf und gedachte, im nahen Wald zu verschwinden.

Den Knall hörte Toni nicht mehr, und selbst das Dutzend Bleikügelchen, die seinen schönen Körper zerfetzten, spürte er nicht. Aber jemand anderer hörte den Schuss, der Traktorfahrer. Weil die Jagd noch nicht offen war, schaute er deshalb verwundert in die Richtung, wo er glaubte, den Schall vernommen zu haben. Gleichzeitig gewahrte er den davonschleichenden freiwilligen Jagdaufseher im Tann verschwinden. Von einer bösen Ahnung getrieben, begab sich der Jungbauer in die Nähe der Schussabgabe und fand tatsächlich seinen ermordeten Freund.

Ich bin mit der betroffenen Bauernfamilie befreundet und hörte deshalb von der traurigen Geschichte. Als Jagdkritiker hat mich diese sinnlose Töterei betroffen gemacht und ersuchte, mir den Namen des Schiesswütigen mitzuteilen. Der Bauer wollte damit zuerst nicht rausrücken, weil er befürchtete, ich würde wieder eine Riesenstory daraus machen. Sein Sohn war dann schon gesprächiger und nannte einen Namen im Nachbardorf.

Noch am gleichen Tag telefonierte ich dem Katzenkiller, stellte mich höflich vor und fragte, ob die Geschichte mit der erschossenen Katze stimme. Da kam ich aber schlecht an. "Das gehe mich einen Scheissdreck an und ich solle die Schnorre halten", brüllte er in die Muschel. Gleichwohl versuchte ich, mit ihm ins Gespräch zu kommen und meinte, vor dem Gesetz möge er vielleicht Recht haben, aber unter Bekannten mache man doch so was nicht. Das nützte aber gar nichts und der Angesprochene fing sogar an, über den Katzenbesitzer zu schimpfen, so wegen "grosskotziger Grossbauer" und so.

Dann geschah das, was ich als Kritiker schon von anderen Jägern her gewohnt bin. "Ich soll mich verpissen, sonst gehe es mir noch wie dem Maudi!" Und aufgehängt hat er.


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