Winnie und die Eichhörnchen

Sie wohnt wie im Paradies in Riehen bei Basel in einem schmucken Eigenheim unten in den "Langen Erlen", umgeben mit viel Natur und mit allem was dazu gehört. Sie ist eine elegante Vierfarbige und lässt sich dem Trend entsprechend englisch ansprechen. "Winnie" wird sie gerufen, schert sich aber keinen Deut darnach, denn folgen ist ihr ein Gräuel. Ihrem Naturel entsprechend bleibt sie auch mal für zwei oder drei Tage weg.

Dass sie in der näheren und weiteren Umgebung einen guten Ruf hätte, kann man nicht unbedingt sagen, denn ihre Lust auf Gefiedertes und Behaartes ist fast grenzenlos. Auch scheut sie sich nicht, ihre Beute stolz und mit hochgestelltem Schwanz durch das Quartier spazieren zu führen. Und wenn ihr Fang noch Federn trägt, hört sie den lauten Tadel schon, aber weil sie nicht Baseldeutsch versteht, ist ihr das gleich. Aber gar nicht gern hatte sie es, als ihr jemand bei einem solchen Moment einen Stein nachwarf und dabei noch ihren Hintern traf. Sie verstand die Welt nicht mehr. "Was sind doch die Menschen blöd!", sinnierte sie und liess vor Schreck den Vogel fallen. Sie kann bis heute nicht begreifen, dass kein Hahn darnach kräht, wenn sie für einmal ein zappelndes Mäuschen nach Hause trägt.

Auf ihrer täglichen Jagd hat sie schon vor langer Zeit in den Auen der "Langen Erlen" eine Vielzahl von lustigen Kobolden entdeckt. Sie hielt sie zuerst für Spielkameraden und näherte sich ihnen gutgelaunt, musste dann aber verblüfft feststellen, wie die rotpelzigen Kletterkünstler mit den lustigen Öhrchen mit Haarpinseln und dem grossen buschigen Schwanz nichts, aber auch gar nichts von ihr wissen wollten. Wie der Blitz sausten sie jeweils bei ihrem Näherkommen die Baumstämme hoch, und grinsten höchstens schadenfreudig der Verdutzten nach.

Aber dann kam der Tag, da verging einem dieser Eichhörnchen, wie sie von den Menschen genannt werden, das Lachen. Winnie lag unter einigen Buchen im dürren Laub; wegen ihrer Vierfarbigkeit gut getarnt und fast nicht auszumachen. Ein offenbar jüngeres Hörnchen mit noch nicht ausgereifter Erfahrung näherte sich ganz unbekümmert und Buchnüsschen sammelnd der lauernden Gefahr. Das ging so weit, dass es sich bei der Nahrungssuche der Katzenschnauze bis auf einen halben Meter näherte. Eine kleine Bewegung liess es blitzartig Männchen machen und nach einem Fluchtweg suchen. Aber da war es schon zu spät. Die hervorprellende Winnie wollte nun nicht mehr spielen, fasste die Beute an der Kehle und liess nicht mehr los. Ein Baumstamm stand zu nahe und instinktiv fühlte sie, ihr Fang würde bei einer kurzen Freilassung wie bei Mäusen die Gelegenheit benutzen, behände und unerreichbar in die Höhe zu entschwinden. So weit liess sie es also nicht kommen, ihr Biss schloss die Gurgel des Opfers weiterhin zu, bis der Erstickungstod eingetreten war.

Wie nach jedem Beutezug machte sich Winnie stolz auf den Heimweg, war aber einmal mehr erstaunt, weil einige Zweibeiner am Strassenrand laut fluchten und die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Und als es auch zu Hause ein Donnerwetter gab wie noch nie, liess sie das Eichhörnchen verärgert fallen und machte sich davon, die Welt einmal mehr nicht verstehend.

Aber jetzt hatte sie den Fangtrick mit Eichhörnchen intus, und es verging in der Folge kaum eine Woche, ohne dass man sie nicht mit der Neuentdeckung in der Gegend herumspazieren sah. Das schlug dann einigen Anwohnern dermassen auf den Wecker, dass sie sich auf die Suche nach den Katzenbesitzern machten. Das war gar nicht so schwer, man musste ihr nur zu dem Haus folgen, wo sie sich niederliess. Fast bürgerwehrähnlich klopften eines Abends eine ganze Delegation an der betroffenen Adresse an und brachte ihr Anliegen an den Mann, beziehungsweise an die Frau. Das komische Treiben ihrer Katze war diesen auch schon lange nicht mehr geheuer, und anstatt sich gegenseitig anzuschreien, suchte man bei einem Glas Wein nach einer eventuellen Lösung. Die Vorschläge gingen weit auseinander. Von Katzenpsychologen sprach man, aber auch von einschläfern und Katzenheim. Gemeinsam kam man zum Schluss, jemanden von der Flurpolizei zu Rate zu ziehen. Das zwar in der Hoffnung, Winnie würde nicht gleich abgeschossen. Auf Anfrage erschien dann auch ein zuständiger Mann und hörte sich die Angelegenheit an. "Das Beste in solchen Fällen ist immer noch der Gartenschlauch!" Wer weiss, dass Katzen eine Dusche wie der Teufel das Weihwasser hassen, konnte diese Beratung nachvollziehen. Und tatsächlich: Winnie kam nach zweimaliger Benässung nie mehr mit einem Eichhörnchen heim.


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