Der Katzen Los mit Jägern

Ein Erlebnis hat mich dazu gebracht, das Abschussverhalten von Jägern den Katzen gegenüber näher zu hinterfragen. Ein schöner Septembertag hat mich wieder einmal an die Gestaden des Brienzersees gelockt. Frohgemut pilgerte ich von der Schadenburg herkommend zwischen Ringgenberg und Niederried dem Waldrand entlang. Ein lauschiges Bänklein kam mir sehr willkommen, und während sich über mir einige rauffreudige Krähen zankten, beobachtete ich die wunderbare Gegend. Den schwarzen Punkt nicht weit unter mir in einer Wiese habe ich schon lange gesehen, und ich wünschte der Katze, es möge ihr doch bald ein glustiges Mäuslein begegnen. Kaum war ich mit diesem Gedanken fertig, schnellte der Schwarzpelz fast einen Meter in die Luft und blieb regungslos liegen. Weil gleichzeitig ein satter Büchsenschuss zu hören war, musste ich nicht lange überlegen, was da Widerwärtiges geschehen war. Der Jahreszeit entsprechend war Hochwildjagd, und die Grünröcke mit der Lust zum Töten waren offenbar im Element. Im Moment konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was dieser schwarze Mäusefänger mit einem Hasen, einem Fuchs oder Marder zu tun haben könnte.

Bald sollte ich das klären können, denn der "Held" trat etwa hundert Meter von mir entfernt aus dem Wald und kam in meine Richtung. Der Näherkommende war mir von einem Gasthofbesuch bekannt, und ich war mir sicher, ihn in Bälde in ein Gespräch verwickeln zu können. Ohne zu grüssen fragte ich ihn, ob er sich da noch etwas einbilde. Seine Antwort, die ich nie vergessen werde, habe ich schon im letzten Satz der Kolumne "Die Katze, die mit dem Vieh z'Alp ging", beschrieben: "Ich schiesse auf jede Katze!". Wer die Arroganz gewisser Weidmänner kennt, kann erahnen, dass er beim darauffolgenden heftigen Disput keine meiner Einwände gelten liess. Selbst als er merken sollte, dass ich vom Jagdgesetz her offenbar besser im Bild war als er selber, hörte er nicht auf mich zu beschimpfen. "Ein blöder Städter" sei ich und solle hingehen, wo ich hergekommen sei. Halblaute Verwünschungen von sich gebend, machte er sich davon, und ich konnte nur hoffen, sämtliche Büsis der Umgebung würden seinen Weg nicht kreuzen.

Wegen den letzten Luchsmorden durch Jäger, aber auch dem erzählten Erlebnis, bin ich heute ein vom Radio und der Presse anerkannter Jagdkritiker, der in seltenen Fällen auch vom Jagdinspektorat um die Meinung gebeten wird. Aber wenden wir uns wieder dem Verhältnis Katze/Jäger zu. Im Artikel 10 der Bernischen Jagdverordnung heisst es, dass "verwilderte" Katzen in der Zeit vom 1. August bis zum 28. Februar jedes Jahres erlegt werden dürfen. Dabei kann der Jäger aus "eigenem Ermessen" drauflos knallen oder nicht. Man stelle sich das einmal vor! Die Katze vom Brienzersee war ganz sicher nicht verwildert und gehörte irgendwie zu den nächstgelegenen Häusern. Klar gibt es auch verwilderte, aber die sieht man fast nicht, weil sie sich bei der geringsten Annäherung von Menschen sozusagen in Nichts auflösen. Bei den Jägern sieht das aber ganz anders aus. In ihrem verblendeten Konkurrenzdenken sind alle verwildert, denn es könnte ja sein, dass es der einen oder anderen einfällt, ein Mäuslein mit einem jungen Häslein zu verwechseln. Und gerade das ist das Todesurteil gar mancher unschuldigen Kreatur. Die Abschüsse sind übrigens meldepflichtig. Im Kanton Bern sind im letzten Jahr gerade mal gegen 50 gemeldet worden. Die Anzahl der wirklich getöteten Katzen kann man sicher mal zehn rechnen. Klar gibt es eine Vielzahl von anständigen Jägern, aber was ich in meiner Tätigkeit als Jagdkritiker so alles zu hören bekomme, könnte gar manchem die Haare zu Berge steigen lassen.

Im Gegensatz zu verwilderten Katzen gab es früher in der beschriebenen Gegend auch echte Wildkatzen. Ich war dabei, als 24 Stück ausgesetzt wurden. 12 vom Tierpark Dählhölzli in Bern und die andern 12 aus den Karpaten, dort frisch eingefangen. Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass man schon nach zwei Jahren keine einzige mehr ausmachen konnte. Kunststück, bei solch schiesswütigen Gesellen. Auch wenn die Schützen bekannt sind, halten die Einheimischen zusammen wie Pech und Schwefel, und würden sich lieber die Zunge ausbeissen, als einen Frevler zu verraten.


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