Pepsi, mit Brauerei-Aktien

Sie hiess Pepsi und wohnte in einer Bergwirtschaft oberhalb des Brienzersees. Böse Zungen behaupteten in der Gegend, sie sei daheim die beste Kundin und besaufe sich fast täglich mit Bier. Andere meinten sogar, diese Alkoholerin habe sicher Aktien beim "Rugenbräu".

Als ich sie zum ersten Mal sah, war ich mit einem befreundeten Baumeister unterwegs, der in der näheren Umgebung Waldwege baute. Noch vor dem Eintreten in die Gaststube unterrichtete er mich, da habe es eine biersaufende Katze, worauf ich mir im ersten Moment keinen Reim machen konnte.. Noch während wir in die Gaststube eintraten, wollte ich mehr darüber wissen und ersuchte meinen Freund um Auskunft. Aber da kam auch schon der Wirt hereinspaziert und begrüsste meinen Begleiter überschwänglich. Nach diesem Zeremoniell wurde auch ich vorgestellt und wir konnten uns an einen Tisch setzen, wo mir anschliessend Gelegenheit geboten wurde, mich nach der ominösen Katze zu erkundigen.

Also, das sei so, meinte der Wirt und fing an zu erzählen. Die Pepsi sei hier in dieser Waldwirtschaft geboren, und schon von klein auf ständig in der Gaststube herumgestrichen, während ihre Mutter und Geschwister es vorgezogen hätten, ihr Dasein draussen zu fristen.

"Wo ist sie denn jetzt?", wollte ich wissen. "Wart mal ab, zahlst du eine Flasche Bier?", meinte darauf der Wirt. Nachdem ich diesem Ersuchen selbstredend entsprochen habe, holte er hinter dem Buffet eine solche und brachte sie an unseren Tisch, und fing gleich an zu erklären. Also, wenn wir jetzt nach ihr rufen würden, käme sie ganz sicher nicht. Er habe da ein ganz anderes Mittelchen, das Busi zu locken. Man müsse die Flasche nur leicht schütteln und dann mit dem Daumen den Bügelverschluss schnappend öffnen, damit es einen hörbaren Knall gebe, so als ob man einen Zapfen ziehen würde.

Ehrlich, das ging kaum mehr als ein paar Sekunden, und schon stand sie neben dem Tisch und gab ein leises Miauen von sich. Dann sprang sie hoch und landete mitten auf dem Tisch, was sie offenbar in dieser abgelegenen Gastwirtschaft durfte. Wegen dem Schütteln der Bierflasche ist nach dem Öffnen recht viel Schaum ausgetreten, der sich auf dem Tischblatt ausgebreitet hatte. Das Mäulchen schon vorher leckend, machte sich Pepsi sofort daran, diesen gierig aufzulecken, und als sie damit fertig war, richtete sich ihr Blick erwartungsvoll auf die Flasche. Vielsagend lächelnd stand der Gastgeber auf, holte ein kleines Näpfchen und füllte es mit hellem Hopfensaft, diesmal ohne Schaum. Dann stellte es dieses auf den Boden neben der Schenke, dicht gefolgt von einer sichtlich zufriedenen Pepsi, die hörbar zu lappen anfing. Zwar leerte sie das Töpfchen nicht ganz und zog Richtung Küche von dannen. "Keine Angst", meinte der Katzenbesitzer, "die kommt in der nächsten Zeit immer wieder zurück, bis alles rübis und stübis weggeputzt ist".

Ich fing dann aber doch an, mit dem Wirt über Sinn und Unsinn solchen Tuns zu debattieren. Dabei wurde mir bald einmal bewusst, dass da ein ganz bewusstes Geschäftsinteresse dahinter steckte.
Freimütig erzählte der Angesprochene, das Verhalten von Pepsi würde den Bierkonsum für seine Verhältnisse doch recht ankurbeln, weil viele Gäste extra vorbeikommen würden, um dieses "Schauspiel" auch zu erleben, und dabei Zusatzflaschen bestellten. Selbstverständlich trank Pepsi das alles nicht allein, aber das war ja auch gleich. Geschäft ist Geschäft. Es wurde mir auch noch erklärt, die Katze würde mindestens soviel Bier trinken wie andere Wasser, eher noch etwas mehr, weil sie möglicherweise immer wieder "Nachbrand" habe!

Einige Zeit später habe ich diese unglaubliche Geschichte auch meinem Tierarzt erzählt. Zuerst schaute dieser mich ein wenig ungläubig an, sagte dann aber: "Deren Leber möchte ich lieber nicht anschauen!"


Retour zur Seite Chatze-Poscht 
 
Copyright by: Katzen- und Edelkatzenclub Bern

Contact Admin: J. Keller

Falls Sie links unser Logo und die Navigationsleiste nicht sehen, klicken Sie bitte hier.