Kater Juan, ein Cowboy in Paraguay

Es ist oder war mir vergönnt, verschiedentlich eine schöne Zeit auf der Pferdezuchtfarm Ita Poty in Paraguay zu verbringen. Ein freieres und unbeschwerlicheres Leben kann man sich fast nicht mehr vorstellen. Pferde so weit das Auge reicht, verteilt auf einige hundert Hektaren.

 

Durch meine Streifzüge durch Stadt und Land ist mir bald einmal aufgefallen, dass in diesem fernen Land offenbar die Katzen ausgestorben sind. Höchstens in den der Hauptstadt Asunción vorgelagerten Slums habe ich einige gesehen, aber die konnte man an der Hand abzählen. Dafür streunende Hunde zu Tausenden, die Jagd auf alles machten, was sich bewegte. Möglicherweise ein Grund für das Verschwinden der Samtpfoten.

 

In Ita Poty habe ich ganz am Anfang den Gutsverwalter René auf dieses Phänomen angesprochen. Es habe da schon eine, meinte er. Die habe er vor einiger Zeit aus seiner Heimat Chile mitgebracht, ich solle mich nur gut rumschauen. Wenn ich einen roten Fleck auf einem Pferderücken sehe, sei das dann sein Kater Juan! Klar habe ich schon anderntags bei meinen ausgedehnten Spaziergängen durch Wald und Flur nach dem Pferdereiter Ausschau gehalten. Und tatsächlich, beim ersten Wasserloch sah ich diesen Farbtupfer, richtig hervorgehoben, weil er auf einer weissen Stute sass. „Was bist du nur für ein Schlaumeier“, dachte ich, „lässt dich tatsächlich von Mausloch zu Mausloch per Taxi tragen!“

 

Am gleichen Tag bei Sonnenuntergang. Ich war zu dieser Zeit einziger Gast in diesem verträumten Haus, und sass gedankenverloren auf der grossen Veranda vor einem Glas Rosado, das mir die umsichtige Haushälterin vor die Nase gestellt hatte. Von weitem sah ich, wie der Verwalter den Hügel hinauf zu uns eilte, und tatsächlich den roten Fleck auf dem Rücken trug. Ich war mir sicher, dass er mir Juan vorstellen wollte. So war es auch, und bei seinem Eintreffen stellte er den leicht getigerten Cowboy auf den Tisch. Neugierig beschnupperte er mich und machte keine Anstalten, das Weite zu suchen. Weil ich ahnte, da könnte sich eine Freundschaft anbahnen, bat ich ein Dienstmädchen, mir doch bitte ein Stückchen Fleisch aus der Küche zu holen. Nach dem Verschlingen der Delikatesse schaute er mir erstmals bewusst in die Augen, und ich hoffte, er würde mich noch mehr besuchen.

 

So war es dann auch, und wir verbrachten in der Folge viele Tage zusammen mit der Zuchtstute „Miss de Pesto“, er beritten und ich zu Fuss. Dazu muss man sagen, dass die Pferde in Ita Poty nicht zugeritten sind und einem abwerfen würden. Nicht so aber Juan, bei seinen 5 Kilo auch nicht besonders verwunderlich. Jeweils zum Morgenessen fand sich die Katze ein und wartete auf einen Obolus. Unten an der Abschrankung stand vielfach auch die „Miss“, die genau wusste, dass ich stets einige Rüebli mitbrachte. Selbst wenn noch andere Stuten herumlungerten, stand sie immer ganz allein am Gittertor und wartete geduldig auf den Zwei- und Vierbeiner. Juan, wendig wie er war, sprang dann jeweils zuerst auf den Hag, und schwupps, sass er stolz auf Pferdes Rücken. Dann konnte es losgehen auf meinen Lieblingsspaziergang, quer durch lichte Wälder und saftige Wiesen. Links und rechts kreischten immer lauthals sogenannte „Feldwächter“, etwa so gross wie Elstern, aber Bodenbrüter und ganz sicher dem Kater nicht gerade hold. Wenn ich dann nach Stunden heimkehrte, war ich meistens allein, Meine Begleiter setzten sich jeweils nach einiger Zeit ab.

 

Im gleichen Sinn verliefen die Tage Jahr für Jahr. Jedes Mal wenn ich auftauchte, dauerte es nur kurze Zeit, bis die beiden meine Anwesenheit ausmachten. Dabei wurmte es mich immer wieder im Bewusstsein, nicht ich sei die das Objekt der Sehnsucht, sondern das Fleisch und die Rüebli.

 

Gästehaus Pferdezuchtfarm Ita Poty, Paraguay. Foto: Fred Ryf 


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