Toni, der Klettermaxe

Im tiefsten vom tiefen Emmental gibt es einen grossen Einzelhof, den Sonnberg. Neben dem stattlichen Viehbestand fallen einem bei der Zufahrt die wunderschönen Berner-Sennenhunde auf, die die Besucher entweder anbellen oder umschwärmen, je nach Bekanntheitsgrad. Einen etwas kleineren Stellenwert haben die vier Mäusefänger: die Katzenmutter, zwei Kätzinnen vom Vorjahr und der jüngste Nachwuchs, der halbwüchsige Kater Toni.

Es war im vorigen Herbst, als dem Junior-Bauer am Abend beim Melken auffiel, dass der Kleine nicht auftauchte, um nach etwas warmer Milch zu betteln. Das war zwar zuerst nicht sonderlich beunruhigend, und mit dem Gedanken, der würde später oder am Morgen schon noch auftauchen, ging er der gewohnten Arbeit nach. Aber zum darauffolgenden Tagesbeginn war er auch nicht da, und auch den ganzen Tag blieb der Vermisste unauffindbar. Mit etwas mulmigem Gefühl dachte man bereits an den Fuchs, der Tonis Grossmutter zwei Jahre zuvor geholt hatte, was damals eindeutige Spuren bewiesen haben.

Während der zweiten auf die dritte Nacht nach dem Verschwinden des Jungkaters ging über der Gegend ein heftiges Gewiter nieder, das einige Schäden anrichtete. Das veranlasste den Senior, etwas nach Mitternacht noch einen Rundgang um den Hof zu machen. Nach dem Verzug der Blitze und Donnerschläge war es auf dem Sonnberg ganz still geworden, und kein Laut drang an das Ohr des Altbauern. Kein Laut? Da war doch wirklich vom etwas entfernten Wald her ein klägliches Miauen zu hören! "Das muss Toni sein", dämmerte es dem Lauschenden, und bevor er wieder zu Bett ging, nahm er sich vor, beim ersten Tageslicht zum Forst hinaufzusteigen.

Dort oben gibt es einige so genannte "Wettertannen". Die haben sehr lange Stämme und nur ganz oben noch einige Äste. Und auf so einer sass der Gepeinigte und konnte nicht mehr runter, was man anderntags bald einmal feststellte. Und weil die längste Leiter auf dem Hof auch nicht nur annähernd reichte um da hinauf zu kommen, konnte nur die Feuerwehr helfen.

Der angerufenen Feuerwehrkommandant meinte, wegen einer Katze könne er doch keinen Alarm auslösen! Er werde aber versuchen, einige Freiwillige aufzubieten, was dann offenbar auch gelang, denn schon nach einer halben Stunde sah man einen Jeep mit einer angehängten Drehleiter, die kurvenreiche Strasse dem Hof entgegenfahren. Aber oben angekommen, musste man verblüfft einsehen, diese Leiter nie und nimmer das weglose und steile Bord hinaufbringen zu können. Da war nun guter Rat teuer.

Ein anwesender Bergsteiger hatte plötzlich die zündende Idee, es mit Seilhaken zu versuchen, welche man sonst in die Felsen schlägt, aber auch im Holz ihre Dienste leisten können. Alsogleich holte er einige Dutzend dieser metallenen Dinger und frohen Mutes zog man der Tanne entgegen. Stück für Stück schlug er sie nun in die Rinde, rund einen Mter auseinander. Fast wie bei einer senkrechten Treppe konnte er sich nurn der Krone entgegenarbeiten. Oben angekommen, musste er aber feststellen, dass der verängstigte Toni nicht einfach glücklich auf seinen Retter wartete, sondern sich dummerweise auf einen kleinen Ast rettete, auf den sich der Feuerwehrmann nicht wagen konnte.

"Man solle im Jeep das Sprungtuch und auf dem Hof eine Bohnenstange holen", rief der Wohltäter nach unten, und man beeilte sich, dem Wunsch nachzukommen. Die Stange war bald einmal oben, aber das Aufspannen des Tuches stellte wegen der steilen Lage doch einige Schwierigkeiten. Die unteren mussten die Arme hoch emporstrecken und die oberen fast auf Schuhhöhe spannen.

Das Hinunterstossen des zerzausten Katers war nicht mehr so schwierig und bald einmal sauste er, alle Viere weit von sich streckend, der Erde entgegen und wurde dort weich aufgefangen. Aber noch bevor ihn jemand anfassen konnte, machte er sich mit einem langen Satz davon und sauste sich fast überkugelnd dem Hof entgegen, wo er alsbald im Tenn verschwand.

Wie zu vernehmen war, konnte man ihm in der Folge die Strapazen überhaupt nicht ansehen.


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