Wenn Gift vor dem Rang kommt

Lang, lang ist's her. So lang sogar, dass sich nur langjährige Mitglieder erinnern, wie auch im mich erdreiste, einen wunderschönen Siam-Kater für eine Katzenausstellung anzumelden. Nennen wir ihn einfach Ivo, der nachfolgende englische und thailändische Ergänzungsname tut hier nichts zur Sache. Ein lilafarbener war es, aber das tönte zuwenig vornehm, lilac-point musste es heissen. Ja nu, dachte ich, ein Stammbaum mit viel rot geschriebenen Ahnen hatte er alleweil.

Und so kam es, wie es offenbar kommen sollte und für das ich weiss Gott nichts dafür konnte. An vielen der nachfolgenden Zurschaustellungen stand er den Konkurrenten namhafter Züchter regelrecht vor der Sonne. Da gab es wirklich solche, die diese "Frechheit" gar nicht ertrugen und mich boshaft wissen liessen, ich als nicht offizieller Nachwuchsförderer solle sie nicht so im Schatten stehen lassen und meinen Kater geflissentlich zu Hause zu lassen.

Extra nicht, überlegte ich. Wenn diese eine solche Einstellung haben, fahre ich halt noch weiter mit meinem Star auf. Das wurde in Lausanne in der Folge fast als Affront gewertet (nicht von unserem Club). Eine welsche Katzenclub-Präsidentin fauchte mich an, jetzt habe sie einen Extrapokal gespendet, in der Hoffnung, eine ihrer Freundinnen würden diesen gewinnen. Ich brauche wohl nicht näher zu erläutern, dass diese Auszeichnung neben anderen bei mir in der guten Stube steht.

Aber dann kam es doch noch zum Eklat vor heute fast genau zwanzig Jahren. In La-Chaux-de-Fonds war es. Aus weiser Voraussicht hatte ich zur besseren Pflege und wohl auch zur Überwachung einen pensionierten Bundesangestellten mitgenommen. Noch während der Installierung tauchten beim Nebenkäfig zwei tschechische Frauen aus Deutschland auf, die mir in gebrochenem Deutsch erklärten, sie bräuchten unbedingt einen ersten Preis für ihren gleichfarbenen Kater im Ausland. Dabei schauten sie eifersüchtig in meinen Drahtverhau, in dem Ivo dank seiner Gutmütigkeit bereits schlief. Ich glaube, noch vor dem Mittagessen wurde dieser nominiert und ich dachte mir dabei nichts besonderes. Schon gar nicht achtete ich auf die Mienen meiner Nachbarn.

Während des Essen in einem nahen Restaurant alberte ich noch mit andern Ausstellern herum, als ich plötzlich wahrnahm, dass auch mein "Aufpasser" im gleichen Lokal erschien. Das passte mir ganz und gar nicht und so brach ich die Party bald einmal ab und eilte zurück zur Ausstellungshalle.

Aber da war es schon zu spät! Ivo lag halb verkrallt in den Vorhängen und hatte eine gut sichtbare Schaumschicht vor dem Mund. Als er meine Stimme hörte, ist er aufgestanden und musste sich gottlob und offenbar als seine Lebensrettung massiv übergeben. Aber anfassen liess er sich fast nicht mehr und weil auch kein Tierarzt trotz Aufruf erschien, zog ich bald einmal mit ihm ohne endgültigen Richterspruch von Dannen, mit dutzendfacher Geschwindigkeitsüberschreitung nach Bern zu meinem Tierarzt, der vorher telefonisch unterrichtet worden war. Spritze, Magen auspumpen und erste Analyse. Eine traurige: Meta!

Ich glaube noch heute nicht, dass das ein Zuschauer war, und einem Aussteller konnte man nichts nachweisen, auch den Tschechen nicht...

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